Zurück zu Hause

Sind dir die ersten Wochen wieder daheim schwer gefallen? Während eines Austauschjahres verändern wir uns und dann kann es schwer werden, sich in der alten Umgebung wieder zuhause zu fühlen.

Für mich war die Zeit kurz nach meiner Rückkehr nach Deutschland die schwerste Zeit des ganzen Austausches.

Die letzten Wochen in den USA hätte man wohl als die "time of my life" bezeichnen können. Nach der "Graduation", der Abschlusszeremonie für die Schulabgänger meiner Schule, blieb mir noch ein ganzer Monat in den Vereinigten Staaten. Diese Zeit konnte ich mit meiner Gastfamilie und mit meinen Freunden genießen.

Meine Klassenkammeraden bereiteten sich auf das College vor, andere aus meinem Freundeskreis hatten das letzte Jahr an der High School noch vor sich. Es herrschte eine allgemeine Aufbruchsstimmung. Jeder freute sich auf eine neue und interessante Zeit in seinem Leben.

Da habe ich die Tatsache wohl verdrängt, dass ich schon bald in die deutsche 12. Klasse gehen würde und noch zwei lange Jahre der Schulzeit vor mir hatte. Erst als ich meine Gasteltern zum Abschied weinen sah wurde mir allmählich klar, dass ich mich auf dem Weg in ein Flugzeug in Richtung Frankfurt befand, und dass es so schnell kein Wiedersehen geben würde.

Als mich meine Eltern vom Flughafen abholten, war die erste Tätigkeit meiner Mutter die folgende: Sie zupfte an meiner Frisur herum, um Ponis zu finden, die mir über die Stirn hängen sollten. Dabei hatte ich die Ponis in den USA rauswachsen lassen; sie haben mir auch noch nie wirklich gefallen.

Und so ging das dann weiter, ich fühlte mich zu überwacht, zu bemuttert. Wenn ich zum Beispiel einen Kaffee trinken wollte, wurde mein Vater schon fast sauer. Dunkel erinnerte ich mich: Ich hatte hier ja nie Kaffee trinken dürfen. Das sei ja angeblich nichts für "Kinder", auch nicht für 17-jährige.

In der Schule stellte ich dann fest, dass sich mein Jahrgang in dem Jahr kaum verändert hatte. Ich hatte zwar in den USA immer gewusst, dass ich mich verändere. Aber erst als ich mich in der alten Umgebung wiederfand, wurde mir klar, wie groß diese Veränderungen waren.

Irgendwie gab es riesige Eingewöhnungsschwierigkeiten: In der Familie, mit den alten Freunden, die mir plötzlich so kindisch vorkamen. Die ersten paar Tage zurück in Deutschland kamen mir vor wie eine Zeitreise "back one year". Erst nach zwei Wochen kam der Schock: das ist jetzt wieder meine Heimat, es gibt kein zurück. Ich musste mich daran gewöhnen, dass ich die Zeit, die ich in den USA verbracht habe nicht zurückholen konnte. Während ich dort eine zweite Heimat gefunden habe, so fühlte ich mich in meiner "alten" Heimat nie wieder ganz "daheim".

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