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Differences

Maximilian verbrachte sein Austauschjahr in Michigan. Eine Zeit, in der er viele Fragen über Deutschland beantworten musste und staunend sein Gastland erkundete.

Als ich im August 2017 in Michigan ankam, wusste ich nicht, was mich erwartet. Besonders die ersten Wochen waren sehr spannend und aufregend, täglich gab es was Neues, ich konnte noch nicht alles verstehen und kannte natürlich den Tagesablauf meiner Gastfamilie noch nicht.

Auffallend war von Anfang an, dass die Amerikaner großes Interesse an anderen Kulturen zeigen, aber nicht genügend Information darüber haben. Am ersten Tag meines Austausches hat mich meine Gastmutter über die Themen in einer deutschen Zeitung ausgefragt, diese hatte ich am Frankfurter Flughafen bekommen. Ich habe ihr einige Artikel übersetzt. Nicht nur meine Gastfamilie hatte viele Fragen zu Deutschland, sondern auch meine Freunde in der Schule. Erstaunt hat mich, dass manche Personen wirklich nur sehr wenig oder gar nichts über Deutschland und Europa wussten, so dass ich sehr viel zu erzählen hatte. Besonders häufig wurde auch gefragt, ob die Berliner Mauer noch steht und ob es immer noch Auswirkungen bzgl. der Trennung Deutschlands gibt. Ich habe ihnen auch einiges über die EU erzählt, zum Beispiel, dass viele Länder die gleiche Währung (den Euro) haben und dass es zwischen den Ländern der EU offene Grenzen gibt, so dass man problemlos ohne die komplizierten Passkontrollen in der Europäische Union hin und her reisen darf. Gerade das Reisen ohne Pass war für sehr viele Amerikaner ein interessantes Thema. Viele konnten sich die Größe der Länder in Europa gar nicht vorstellen. Deutlich wird dies am Beispiel von Frankreich, eins der größten Länder in der Europäische Union, welches immer noch kleiner als der Bundesstaat Texas ist.


Schule

Ich habe auch viel vom Alltag in Deutschland erzählt, so auch über die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Schulsystem. In Amerika hatte ich jeden Tag die gleichen Fächer (meinen Tagesplan) und es gab Trimester (ein Trimester = 3 Monate) anstatt von Semestern. In jedem Trimester hatte ich natürlich unterschiedliche Fächer, aber diese dann jeden Tag gleich. Das ist in Deutschland bekanntermaßen ja komplett anders. In Deutschland hatte ich meinen üblichen Stundenplan und keinen Tagesplan. Besonders die amerikanischen Lehrer haben mir dazu viele Fragen gestellt. Ich würde auch sagen, das amerikanische Schulniveau ist mit dem eines deutschen Gymnasiums nicht vergleichbar.
Gerade in Mathe und den naturwissenschaftlichen Fächern waren die Themen leichter als in Deutschland, zum Beispiel ist auch der Testaufbau in Amerika komplett anders. In Amerika wird eigentlich nur das sogenannte Multiple Choice System angewendet, dies bedeutet: Man hat zu jeder Frage die Möglichkeit, unter vier verschiedenen Antworten zu wählen, die nur anzukreuzen sind. Ich habe meiner Physiklehrerin dann berichtet, dass dies in Deutschland ganz anders ist und wir bei manchen Arbeiten bis zu 5 Seiten schreiben müssen, gerade in den Fächern Deutsch oder Englisch. Sie fand dies sehr interessant und hat auch zugestimmt, dass das amerikanische Schulsystem einige Schwächen aufweist. In der amerikanischen Schule wird zum Beispiel sehr viel auswendig gelernt, in Deutschland auf der anderen Seite wird mehr auf logisches Denken und auf Argumentation Wert gelegt.

Was aber in der amerikanischen Schule auf jeden Fall viel besser als in Deutschland ist, und was auch komplett anders war, sind die sogenannten „extra-curricular activities“. Dies sind die kostenlosen Freizeitangebote der Schule, welche nach dem Unterricht in der Schule stattfinden, so dass jeder Mitschüler etwas Passendes findet. Es gibt Sportclubs, wie Schwimmen, Baseball u. a., und es gibt auch musikalische oder künstlerische Clubs, wie zum Beispiel die Band oder die Schülerzeitung.

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Meine Mitschüler fragten mich natürlich darüber aus wie es eigentlich in Deutschland ist. Welche Hobbys werden ausgebaut? Wo betreibt man seine Hobbys? Ich habe dann erzählt, dass es in Deutschland viel mehr Clubs (Vereine) außerhalb der Schule gibt und dass man dem entsprechenden Verein beitreten muss, welcher meistens privat betrieben wird und auch meist teuer ist. Auch hier kann man wieder sehr gut die Unterschiede zwischen Amerika und Deutschland erkennen. Amerika ist sehr auf Sport konzentriert und jeder versucht das Beste zu geben. Die Schulteams trainieren meistens jeden Tag ein oder zwei Stunden lang (dies ist von Disziplin zu Disziplin unterschiedlich), damit sie in der Lage sind, die anderen Schulen im Wettkampf zu besiegen. In Deutschland ist der Sport eher ein Hobby als Ausgleich zu Schule oder Beruf.




Kirche

Nicht nur das Schulsystem war anders, sondern auch die Stellung der Kirche in Amerika. Dabei muss ich sagen, dass ich in einer ziemlich ländlichen Gegend gelebt habe, wo die Menschen oft konservativer als in den Großstädten sind. Meine Gastfamilie ist zur sogenannten reformierten Kirche von Amerika gegangen, welche eine protestantische Kirche ist, diese wurde damals von niederländischen Einwanderern gegründet. Meine Gastfamilie und ich sind jeden Sonntag für zwei Stunden zur Kirche gegangen, da dies fester Bestandteil des Familienlebens war. In der Kirche wurden dann sehr viele Lieder gesungen. Viele Kirchen in Amerika sind auch sehr fundamental. Viele Mitglieder glauben wortwörtlich an das, was in der Bibel steht, so habe ich Leute kennengelernt, die nicht an die Evolution glaubten, sondern an die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel. Es gab auch Leute, welche nicht an den Klimawandel glaubten, da Gott ja immer die Kontrolle über alles behält. Hier kann man gut die christliche Kultur der USA erkennen. Meine Gastfamilie hat zum Beispiel auch ein Zehntel ihres Gehaltes an die Kirche gespendet, so handeln viele Familien ebenfalls.

Der Pastor der Kirche hat mich natürlich gefragt, wie Kirche so in Deutschland ist, und ich habe darüber berichtet, wie wir Gottesdienste feiern und was die Menschen hier normalerweise glauben. Genauso wenig wie ich über die amerikanische Kirche vorher wusste, wussten die Amerikaner über meine Kirche in Deutschland. Ich habe davon berichtet, dass es in Deutschland zwei Hauptkirchen (evangelisch / katholisch) gibt, anders als in Amerika, wo es hunderte kleine Kirchen gibt. Ich habe auch erzählt, dass es in Deutschland eine Kirchensteuer gibt, welche gleich vom Gehalt einbehalten wird. Dies ist in Amerika auch anders, denn alle Einnahmen der Kirche kommen nur aus Spendengelder. Ich bin in Amerika auch jede Woche zur Jugendgruppe der Kirche gegangen, da alle meine Gastbrüder dies auch gemacht haben. Auch dies war wieder eine völlig neue Erfahrung.


Größe und Kommunikation

In diesem Jahr in Amerika wurde mir selbst erst so richtig klar, wie groß dieses Land eigentlich ist. Die USA sind ein riesiges Land und man braucht schon für sogenannte "kleine Strecken" oft mehr als zwei Stunden. Meine Gastfamilie und ich sind zum Beispiel jedes Wochenende Essen gegangen, dafür waren wir aber immer mindestens eine oder gar zwei Stunden mit dem Auto unterwegs. Da es in den USA auch kaum öffentliche Verkehrsmittel gibt, ist man auf jeden Fall auf ein eigenes Auto angewiesen. Dort wo ich wohnte, war es sehr ländlich, und wenn man dort niemanden hatte, der einen fahren konnte, war es schon schwierig, Verabredungen zu treffen, man brauchte ja immer einen "Autofahrer" und das war nicht immer möglich. Ich habe meiner Gastfamilie dann ausführlich über Europa und viel aus meiner Heimat, u.a. auch von unserem Verkehrsnetz erzählt, so auch z. B dass Europa viel dichter besiedelt ist als die USA und auch davon wie viel leichter es hier ist zu reisen, jemanden zu besuchen bzw. sich zu verabreden.
Zum Vergleich: Texas hat 27 Million Einwohner ist aber doppelt so groß wie Deutschland.

Nicht nur der Lebensstil und das alltägliche Leben sind in Amerika anders, sondern auch die Persönlichkeit. Amerikaner sind meistens außerordentlich freundlich. Gerade zu Anfang, z.B. bei meinem ersten Supermarktbesuch, war ich total verwundert, denn es haben gleich drei Leute gefragt, wie es mir geht und wo ich herkomme. Auch an der Kasse hat die Verkäuferin 5 Minuten mit meiner Gastmutter gesprochen und Leute haben mich auch einfach so angesprochen, obwohl ich sie noch nie gesehen hatte. Dies mag auf den ersten Blick gekünstelt rüberkommen, aber es kann auch gute Seiten haben, denn Leute sprechen wirklich mit einem, sie sind deutlich höflicher.


Unterschiede innerhalb der USA

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Los Angeles: Walk of Fame
Bei einer Reise nach Los Angeles ist mir dann aufgefallen, welche großen Unterschiede es innerhalb der USA gibt. Die Leute in Los Angeles verhalten sich komplett anders als die Leute auf dem Land in Michigan und haben häufig auch bei politischen Themen eine andere Meinung.
Los Angels und San Fransico, die Städte, die meine Familie und ich während meiner Spring Break besucht haben, sind sehr liberale Städte, in denen die aktuelle Regierung Amerikas abgelehnt wird. In Michigan auf dem Land ist das genau umgekehrt. Präsident Trump wird vielleicht nicht unterstützt, er ist hier aber auch nicht verhasst, in meinem Dorf hat er sogar über 60 Prozent der Stimmen bekommen. Hier kann man die Unterschiede zwischen den liberalen Städten und den eher konservativen ländlichen Gebieten gut erkennen.


Das Essen

Was natürlich auch ein sehr großer Unterschied zu Deutschland war, ist das amerikanische Essen, welches zum Teil wirklich nicht gesund ist. Da meine Gastfamilie auch immer viel gearbeitet hat, wurde am Wochenende oft Essen bestellt oder wir sind in ein Restaurant gefahren. So hat sich auch das Essen in der Schule sehr von den Angeboten in der Deutschen Schule unterschieden. In meiner Schule gab es zum Beispiel Pommes oder Hamburger, es gab sogar Fanta und Cola zu kaufen. Meine Gasteltern waren aber so nett, dass sie mich immer gefragt haben was ich essen wollte, und auf meine Bitte hin haben sie sogar dunkles Brot, Äpfel, Bananen und anders Obst gekauft. Nicht nur die Uhrzeiten sind anders, meine Gastfamilie hat zum Beispiel nie gefrühstückt und es wurde zweimal am Tag warm gegessen. Einmal in der Schule um 11 Uhr und noch einmal abends um 19 Uhr, wobei das Abendessen das Hauptessen war.

Ich habe meiner Gastfamilie dann erzählt, dass wir in Deutschland normalerweise immer frühstücken, meist mittags warm essen und es abends in der Regel einfach nur eine Brotmahlzeit gibt. In der Schule wurde ich oft auch gefragt, wie so das Schulessen in Deutschland ist. Ich habe berichtet, dass es in meiner deutschen Schule noch nicht einmal erlaubt ist, zuckerhaltige Getränke zu verkaufen, das konnten sich meine Freunde in meiner amerikanischen Schule kaum vorstellen.


Fazit

Abschließend möchte ich sagen, wie sehr ich von meinem Austausch profitiert habe. Nicht nur durch meine Gastfamilie habe ich die verschiedenen anderen Kulturen kennengelernt, sondern auch im Austausch mit meinen Klassenkameraden aus den unterschiedlichsten Ländern. Dabei wurde mir persönlich erst klar wie viele Kulturen es doch gibt und wie eigentlich alles zusammenhängt. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt ein größeres Verständnis für andere Kulturen habe, und verstehe jetzt auch besser, warum sich Menschen so verhalten, wie sie sich verhalten. Es liegt sicher auch daran, dass sie anders aufgewachsen sind und sie andere Werte als wir vermittelt bekommen.

Maximilian

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