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SOS - Schnelle Hilfe für Austauschschüler

Ein Austauschjahr, egal an welchem Ort, ist eine große Herausforderung. Getrennt von deinen Eltern und allem Vertrauten, bist du ganz auf dich gestellt. Schwierigkeiten sind da beinahe vorprogrammiert. Kleinere Probleme wie schlechte Schulnoten, Streitereien oder kulturelle Missverständnisse lassen sich meist schnell im Kreise der Gastfamilie lösen. Doch was, wenn plötzlich etwas völlig Unvorhergesehenes passiert? Du in einen Unfall oder kriminelles Ereignis verwickelt bist? Du Opfer von Gewalt wurdest oder eine Naturkatastrophe bzw. politische Krise in deinem Gastland ausbricht? An wen kannst du dich wenden und welche Institution ist für was zuständig?

Betreuer

Egal um welche Schwierigkeiten es sich auch handelt, die erstbesten Ansprechpartner neben den Gasteltern und Eltern sind immer deine persönlichen Betreuer vor Ort. Sie helfen dir nicht nur dabei, dich in deinem neuen Leben einzugewöhnen, sondern bieten dir bei ernsten Problemen auch konkrete Unterstützung. Da sie mit den betreffenden Behörden kooperieren und durch ihre Arbeit viele Erfahrungen gesammelt haben, können Betreuer schnell und kompetent vermitteln. Zudem stehen sie in Kontakt mit allen Beteiligten des Austauschjahres. Damit sind sie die ideale Schnittstelle. Und sollte selbst der Betreuer nicht sofort erreichbar sein, bieten viele Organisationen eine 24-Stunden-Hotline für Notfälle an.


Lokale Behörden

Neben der Schule sind es vor allem staatliche Behörden wie Einwohnermeldeämter oder die Polizei, mit denen du ggf. während deines Austauschjahres Kontakt hast. Letztere musst du gerade bei unangenehmen Situationen benachrichtigen, damit eine reibungslose Aufklärung möglich ist - beispielsweise bei Unfällen, Straftaten, Diebstahl oder Verlust von Dokumenten. Denn nur so können dir andere Akteure wie Versicherungen, Anwälte oder die Botschaft im Not- und Schadensfall helfen.
Daher: Wenn du zum Beispiel deinen Reisepass verloren hast, kannst du Komplikationen vorbeugen, indem du vorab sicherheitshalber Kopien deiner Reisedokumente gemacht hast. Diese eignen sich notfalls erst einmal für die Identifizierung. Und liegen bereits Ersatzpassbilder vor, musst du nicht allzu lange auf einen Ersatz warten. Bei Diebstahl persönlicher Dokumente oder Besitztümer bist du gut beraten, wenn du diesen bei der Polizei sofort anzeigst und lass dir unbedingt die Kopie der Diebstahlsmeldung als Beleg geben.


Versicherungen

Gerade Versicherungen können sich im Ausland und in prekären Fällen als hilfreicher Partner entpuppen. Je nachdem welche Versicherung bei Reiseantritt vorliegt, wird dir zunächst einmal finanziell geholfen. Das geschieht häufig bei unverschuldeten Not- und Unfällen oder Sach- und Personenschäden, aber auch in Rechtsangelegenheiten. Und da Versicherungen immer auch ein Interesse an einer lückenlosen Aufklärungsarbeit haben, sind diese in komplizierten Rechtsfällen bemüht, die Sachlage schnell und eingehend zu untersuchen. Gut ist es, wenn du und deine Eltern die Kopien der Versicherungsunterlagen, Kontaktnummern und Ausweise stets griffbereit an einem sicheren Ort aufbewahrt. Auch internationale Dokumente wie dein Impfbuch, der Notfallausweis (emergency certificate) mit deiner Blutgruppe oder eventuell dein Führerschein.
Manche Versicherer sind auf Austauschprogramme spezialisiert, so dass deren Erfahrung vorab als Information sehr nützlich sein kann. Informiere dich also rechtzeitig, wie du und deine Eltern sich vor Ort im Not- und Schadensfall richtig verhalten sollten.


Diplomatische Vertretungen

Deutsche Austauschschüler sind nicht nur Staatsangehörige der Bundesrepublik Deutschland (siehe §116 des Grundgesetzes sowie §1 des Staatsangehörigkeitsgesetzes), sondern auch Bürger der Europäischen Union. Damit genießt du einen besonderen Schutz. Im Notfall kannst du daher die Auslandsvertretungen vor Ort um Hilfe erbitten. Erforderlich wird dies vor allem, wenn du den Reisepass verloren hast, wegen einer Straftat verhaftet oder aber selbst überfallen und ausgeraubt wurdest.
Ein anderer Vorteil von Botschaften besteht darin, dass sie im Gastland auch eine Vermittlerrolle einnehmen. Beispielsweise bei Problemen mit lokalen Behörden oder wenn du einen vertrauenswürdigen Anwalt, Facharzt oder Dolmetscher benötigst. Sollte der seltene Fall eintreten, dass am Aufenthaltsort eine Naturkatastrophe oder schwere politische Unruhen ausbrechen, kannst du dich vor Reiseantritt bei der Botschaft registrieren, vor Ort beraten und notfalls evakuieren lassen. Darüber hinaus verfügt fast jede Botschaft über eine Kultur-, Presse- oder Öffentlichkeitsabteilung. Diese sind oft für den Schüler- und Jugendaustausch zuständig und erteilen Informationen beispielsweise über lokale Beratungsstellen.

Obwohl Botschaften und Konsulate dafür da sind, sich um ihre Bürger und nationalen Belange im Ausland zu kümmern, ist ihr Handlungsspielraum dennoch begrenzt. So bist du als deutscher Reisende an das Recht des jeweiligen Gastlandes gebunden. Hinzu kommt, dass viele Gesetze im europäischen Ausland bestimmte Straftaten wie Besitz und Konsum von Drogen wesentlich schärfer ahnden, als das in Deutschland der Fall ist. Wer also die Finger von Drogen - egal welcher Art - lässt, die lokalen Verkehrsregeln einhält oder militärische Gebäude möglichst nicht fotografiert, kann sich von vornherein schon mal eine Menge Ärger vom Hals halten.


Und noch ein Tipp zum Schluss: Vor Reiseantritt und bei längerem Auslandsaufenthalt findest du nützliche Hinweise auf den Seiten des Auswärtigen Amts (www.konsularinfo.diplo.de/notfallhilfe) und der Botschaft, aber auch beim Fremdenverkehrsamt deines jeweiligen Gastlandes.

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