Erica

Zweifel und ein bisschen Angst

Wer entscheidet sich schon ganz ohne Bedenken für ein Austauschjahr? Zum Glück nicht jeder. Dieser sehr schöne und nachdenklich stimmende Artikel stammt von einer Schülerin, die ihre Enscheidung bereits getroffen hat.

Die Gedanken fanden wir bei Ausgetauscht.de,
geschrieben von einer unbekannten Autorin.


Hi,

im Februar wurde ich bei meiner Org angenommen und war die ganze Zeit so happy. Happy, dass alles geklappt hat und einfach auch das es jetzt sicher war, dass ich nächstes Jahr in die USA kann. Und wer freut sich schon nicht auf sein Austauschjahr ?

Ich war euphorisch, immer gut gelaunt. Doch jetzt auf einmal hab ich ein bisschen schiss. Es ist nicht so, dass ich bevor ich mich anmeldete nicht wusste , dass ich im Austauschjahr keinen Urlaub machen kann, dass ich in eine mir zuerst fremde Familie komme und mich dort mit einer fremden Sprache vertraut machen muss, mich integrieren und Freunde finden muss und dabei noch in sämtliche kulturelle Fettnäpfchen tappen kann. Ich wusste, dass ich mich bestimmt oft überwinden muss, auf Leute zu zugehen, Und das, obwohl die mein English vielleicht erst gar nicht verstehen und dass es Zeit und Anstrengung kostet, Freunde zu finden. Also, kurzum, ich habe mich nicht leichtfertig und nicht in Euphorie entschlossen, sondern mit Bedacht.

Und jetzt hab ich auf einmal voll die Zweifel. Vielleicht kommt es davon, dass ich jetzt Ferien habe und mehr Zeit zum Nachdenken. Ich zweifele an mir selbst: ob ich das Austauschjahr wirklich stark genug will, ob ich stark genug bin, ob ich dass alles schaffe , ob ich, einmal dort, nicht riesiges Heimweh bekommen werde...

Die Trennung ist eigentlich mein größtes Problem: ich hatte noch nie Heimweh, war allerdings auch noch nie länger als zwei Wochen weg. Und deswegen dachte ich mir: "Dass Heimweh wird dein geringstes Problem sein, jeder bekommt das mal ein bisschen."

Doch jetzt wird mir manchmal schon weh ums Herz. Zum Beispiel wenn meine kleine Schwester kommt und will, dass ich ihr ´ne Frisur mache. Oder wenn meine Mutter direkt neben mir steht und Blumen gießt. Dann merke ich, wieviel sie mir bedeuten und ich weiß auf einmal nicht mehr ob ich das aushalten werde.....

Doch einen halben Tag später bin ich schon wieder total happy, denk mir, wenn ich einmal da bin lenk ich mich halt ab, kümmer´ mich um meine dortigen Geschwister und wenn ich keine habe, suche ich mir einen Babysitterjob oder mache soviel wie möglich, je nachdem was dort "geboten" wird.

Aber ein mulmiges Gefühl bleibt tief in meinem Bauch, so eine kleine Angst, die mich zweifeln lässt ob ich das schaffe. Und wenn ich dann noch an die Tipps in den diversen atj-Büchern denk (von wegen "man muss sich sorgfältig und bewusst dafür entscheiden, damit man nachher den festen Willen hat und um mit der Situation umgehen zu können") dann macht mich das noch mehr fertig.

Huch ist das lang, doch Danke fürs Lesen. Und vielleicht habt ihr ein paar Tipps, soll ich noch fahren oder nicht? Mein Bauch sagt manchmal nein, mein Kopf sagt immer ja...

Liebe Grüsse,

Eure Laura

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