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Die Redaktion

Besondere Entscheidungsaspekte

Neben den Programmleistungen gibt es eine ganze Menge anderer Aspekte, die bei der Entscheidung für oder gegen einen Anbieter eine Rolle spielen können: Stipendienvergabe; Zielland; Erfahrung, Anspruch und Gemeinnützigkeit des Anbieters; Führerschein und High School-Diplom.

Stipendienvergabe

Ein Austauschjahr ist richtig teuer. Besonders wenn die eigene Familie nicht den nötigen Geldbeutel mitbringt, muss auf die Programmkosten geachtet werden. Einige Austauschorganisationen bieten Stipendien an, mit denen der finanzielle Aufwand deutlich gedrückt werden kann. Die schlechte Nachricht dabei ist: Viele Organisationen haben nur ein sehr kleines Budget für Stipendien, so dass manchmal nur ein Schüler in diesen Genuss kommt. Möglich ist aber prinzipiell die gesamte Spannweite von der Teilfinanzierung bis hin zur Vollfinanzierung der veranschlagten Programmkosten. Einige Organisationen wählen ihre Stipendiaten anhand sozialer Kriterien aus (z.B. geringes Familieneinkommen), einige Organisationen nach leistungsorientierten Kriterien (z.B. soziales Engagement, Zensuren).

Neben den Fördermöglichkeiten der Austauschorganisationen gibt es staatliche Stipendienprogramme, Firmen- und Stiftungsstipendien sowie Schüler-BAföG und Bildungskredit, die dir die Finanzierung deines Austauschjahres erleichtern können. Weitere Informationen findest du hierzu in unserer Rubrik Finanzierung. In unserer Stipendiendatenbank kannst du nach Stipendien suchen. Dort sind Informationen zu Teilnahmebedingungen und Bewerbungsfristen hinterlegt.



Zielland

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Für bestimmte Zielländer bieten nur einzelne Anbieter Austauschprogramme an. Die Wahl der Organisation scheint damit beendet. Ist das so? Lohnt es sich, nochmals die eigene Länderwahl zu hinterfragen und auch die Angebote anderer Anbieter zu prüfen? Wir meinen: Ja!

In unserer Recherchedatenbank findest du über 60 Länder für die es Austauschprogramme gibt. Es lassen sich gewiss so einige Gründe aufzählen, weshalb jedes Jahr die meisten Schüler sich für einen Austausch in die USA, nach Kanada, Neuseeland, Australien und Großbrintannien interessieren. Es bleiben aber auch genauso viele Fragen offen: Warum nicht nach Schweden? Warum nicht nach Paraguay? Warum nicht in die Niederlande oder eines der vielen anderen Länder? Ob du dich bei der Wahl deines Austauschlandes tatsächlich vor allem durch die besseren Sprachkenntnisse, die sich auch auf deinem Zeugnis bemerkbar machen werden bzw. vermeintliche Karriereaskpekte leiten lässt, bleibt dir natürlich überlassen und ist auch nachvollziehbar. Für viele Erfahrungen während eines Austauschjahres ist es aber völlig unerheblich, in welches Land du reist (z.B. kannst du überall in interkulturelle Fettnäpfchen tappen und neue Freunde für dich gewinnen); und manches kann man sowieso nur in Asien, Südamerika oder Afrika erleben Zwinker



Erfahrung

Schüleraustausch gibt es bereits seit vielen Jahrzehnten. Viele der damals neuen Organisationen haben über die Jahre hinweg Erfahrungen gesammelt und Kompetenz aufgebaut - aber ... Ist Erfahrung im Bereich interkultureller Arbeit wichtig? Arbeiten junge Organisationen engagierter? Ist es sinnvoll, dass ehemalige Austauschschüler und Gasteltern mit ihren Erfahrungen in die konkrete Arbeit der Programmanbieter einbezogen werden? Gibt es Austauschorganisationen die Erfahrung und Engagement ihrer Mitarbeiter verbinden können? -- Das sind alles Fragen, die du dir bei der Auswahl deiner Organisation stellen kannst.



Anspruch

Das Programm deiner Austauschorganisation muss zu deinen Zielen passen. Deshalb solltest du ein oder zwei Blicke auf die von der Organisation benannten Programmziele und den formulierten Anspruch an die eigene Arbeit werfen: Was ist dir wichtig? Stimmen deine Ziele mit den Zielen und dem Angebot des Programmanbieters überein?

Informationsbroschüren, Werbematerialien und Infoveranstaltungen sind so etwas wie Schaufenster. Wenn du diese sorgfältig und kritisch wahrnimmst, kannst du erkennen, welchen Anspruch der Programmanbieter hat: Wird Schüleraustausch als ein Mittel zur interkulturellen Verständigung, als ein Angebot interkulturellen Lernens, als Karrieresprungbrett oder schlicht als Geschäftsmodell verstanden? Wird bereits in den Informations- und Werbematerialien auf die während des Auslandsaufenthaltes zu erwartenden Probleme hingewiesen oder wird das Austauschjahr reichlich überzogen als ein auf jeden Fall "tolles", "spannendes" und "glückliches" Jahr beschrieben? Wo setzen die Anbieter Schwerpunkte? Sind ihnen zum Beispiel die Vergabe von Stipendien, die sorgfältige Auswahl der Schüler und Gastfamilien und die Betreuung der Programmteilnehmer wichtig?

Bevor du deinen Briefkasten mit den Infomaterialien der einzelnen Programmanbieter zuschütten lässt, solltest du dir vorab im klaren sein, was dir bei einem Anbieter wichtig ist und anhand dieser Kriterien eine Vorauswahl treffen. Sehr hilfreich sind bei der Vorauswahl Ratgeber, in denen Austauschorganisationen mit einem kurzen Profil vorgestellt und ihr Leistungsangebot sowie die anfallenden Programmkosten verglichen werden. Wenn du kein Geld für Ratgeber ausgeben möchtest, kannst du natürlich auch alle für dich wichtigen Informationen auf den Websites der Austauschorganisationen einholen. Eine Übersicht über Programmanbieter findest du in unserer Recherchedatenbank.

Grob lässt sich sagen:
  • Es gibt Sprachprogramme, interkulturelle Lernprogramme und Programme, die sich eher auf die reine Vermittlungsarbeit von Personen konzentrieren und die betreuende Arbeit außer Acht lassen. Anzahl, Form, Inhalt und Umfang der austauschjahrbegleitenden Veranstaltungen geben dir einen direkten Hinweis darauf, mit welcher Programmart du es zu tun hast.
  • Manche Programmanbieter arbeiten nur mit hauptamtlichen Mitarbeitern und manche auch mit ehrenamtlichen Mitarbeitern. Einige Organisationen beziehen ihre Teilnehmer nach dem Austauschjahr konsequent in ihre Arbeit ein. Letzteres gewährt für zukünftige Programmteilnehmer Informationen aus erster Hand und ist für Ehemalige die Möglichkeit, ihr Austauschjahr zu reflektieren und weiterleben zu lassen.
  • Manche Anbieter konzentrieren ihr Angebot auf ein einzelnes bzw. wenige Zielländer, andere bieten einen Austausch in viele Länder an. Dies hat zumeist etwas mit der Geschichte der Organisation zu tun (z.B. Länderpartnerschaft mit einem Land), aber zum Teil auch schlichtweg mit der Tatsache, dass bestimmte Zielländer attraktiver und/oder profitabler als andere sind.


Rechtsform und Gemeinnützigkeit

Unbedingt aufpassen solltest du, dass deine Austauschorganisation ihren Sitz in deinem Heimatland hat. Das kann tatsächlich bei (gerichtlichen) Meinungsverschiedenheiten von großer Wichtigkeit sein. Dagegen hat die Rechtsform (z.B. GmbH, GbR, Verein) in aller Regel keinen Einfluss auf die Qualität des Austauschprogramms. Warum auch? Nur bei Schadensersatzklagen könnte diese Frage wichtig werden. Aber dann ist es eh schon zu spät für ein gutes Austauschjahr und deshalb sind andere Kriterien für dich wahrscheinlich wichtiger.

Der Status der Gemeinnützigkeit

Austauschorganisationen, die den Status der Gemeinnützigkeit tragen, wird zumeist unwillkürlich unterstellt, dass sie ehrlicher, moralischer und weniger kommerziell arbeiten als nicht gemeinnützige Organisationen: Dies kann man aber nicht so pauschal sagen! Auch für gemeinnützige Organisationen ist es wichtig, gewinnorientiert zu arbeiten. Auch sie müssen auf die Finanzen schauen und schwarze Zahlen schreiben. Der Status der Gemeinnützigkeit ist ein steuerlicher Status und bringt den Organisationen zunächst einmal einfach nur steuerliche Vorteile.

Positiv ist zu bewerten, dass gemeinnützige Organisationen verpflichtet sind, ihre erzielten Gewinne wieder dem Schüleraustausch zugutekommen zu lassen. Sie dürfen die Gewinne nicht einfach an ihre Vorstände, Gesellschafter und Mitarbeiter auszahlen, sondern sind verpflichtet, die Gewinne wieder in das Programm zurückfließen zu lassen (z.B. durch eine Erweiterung ihres Angebots, die Verbesserung ihrer Programmleistungen oder in Form von Stipendien).

Wie sorgsam und verlässlich eine Organisation arbeitet und ihre Aufgaben bezüglich der Auswahl und Betreuung ihrer Programmteilnehmer erfüllt, lässt sich jedoch nicht am Status der Gemeinnützigkeit ablesen! Ob gemeinnützig oder nicht, die Qualität eines Austauschprogramms lässt sich letztendlich nur anhand der konkreten Programmleistungen und anhand der Bewertungen früherer Teilnehmer abschätzen.



Führerschein und High School-Diplom
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Für viele spielt der Führerschein und der Erhalt eines High School-Diploms eine wichtige Rolle bei der Auswahl des Programmanbieters. Wir fragen uns, warum ist das so? Hilft dir der Führerschein oder das Diplom, dich in deiner Gastfamilie und in deiner Schule einzuleben? Helfen Führerschein und Diplom, wenn es Probleme gibt? Unserer Meinung nach sollten Führerschein und High School-Diplom keine ausschlaggebende Kriterien für oder gegen das Programm einer Austauschorganisation sein. Ausschlaggebend sollten das Engagement der Mitarbeiter, die Sorgfalt bei der Teilnehmerauswahl, die Betreuung vor, während und nach dem Austauschjahr sein.

Und wenn das noch nicht überzeugt:
  • Die Anerkennung des US-amerikanischen Führerscheins in Deutschland muss innerhalb einer bestimmten Frist erfolgen (6 Monate) und ist - wie alle behördlichen Dinge - mit recht viel Aufwand verbunden. Nicht alle Führerscheine werden einfach anerkannt und umgeschrieben! Je nach US-Staat, in dem die Fahrprüfung abgelegt wurde, gibt es unterschiedliche Regelungen: keine nochmalige Fahrprüfung, die theoretische Prüfung muss nochmals abgelegt werden oder die theoretische und die praktische Prüfung müssen nochmals absolviert werden. Auf der Website des ADAC (www.adac.de) findest du eine Übersicht über die aktuellen Regelungen. Unerlässlich ist auch die direkte Information bei deiner örtlichen Fahrzeugstelle über die nötigen Unterlagen (z.B. Echtheitsprüfung des Führerscheins durch das Landeskriminalamt, Nachweis über die Dauer des Führerscheinbesitzes, Übersetzungen, Sehtest, Erste Hilfe Kurs u.ä.).
  • Zumeist wird nicht das High School-Diplom den Austauschschülern auf der Graduation Ceremony überreicht, sondern ein "certificate of attendance", eine Teilnahmebestätigung. Aber so oder so: Das High School-Diplom bringt dich noch lange nicht an eine Universität, denn es entspricht dem mittleren Bildungsabschluss (mittlere Reife, Realschulabschluss, Mittlerer Schulabschluss, Sekundarabschluss I). Für die Aufnahme an ein US-amerikanisches College/eine Universität benötigst du den Nachweis über eine bestimmte Anzahl an "Credits" und du musst entsprechende Eignungstests ablegen. Um an ein US-College aufgenommen zu werden, reichen Abitur bzw. Mittlere Reife + Berufsausbildung sowie bestandene Tests (TOEFL, SAT etc.) vollkommen aus.

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