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Die Redaktion

Auswahl der Programmteilnehmer

Nicht jeder Schüler und nicht jede Familie ist für einen Austausch geeignet. Ziel ist es, die Schüler und die Gastfamilien auszuwählen, die den Anforderungen eines Austausches mit einer hohen Wahrscheinlichkeit gerecht werden.

Nicht unumstritten sind die von den einzelnen Austauschorganisationen eingesetzten Auswahlverfahren und die den Auswahlen zugrunde gelegten Kriterien für die Aufnahme ins Programm. Auch wirken gerade sehr zeitaufwändige und intensive Auswahlen auf Schüler und Eltern recht abschreckend. Dennoch gilt: Eine sorgfältige Auswahl der Programmteilnehmer ist im Interesse aller Beteiligten. Organisationen, die Anlass zu der Vermutung geben, bei der Auswahl der Austauschschüler und der Auswahl der Gastfamilien nicht die notwendige Sorgfalt aufzubringen, sollten mit der entsprechenden Skepsis betrachtet werden.


Schülerauswahl

Für die Auswahl haben die Austauschorganisationen unterschiedliche Verfahren entwickelt, in denen die Persönlichkeit des Schülers und seine Motivation für den Austausch bewertet werden. In der Regel folgt der schriftlichen Bewerbung das persönliche Kennenlernen: Einzel- oder Gruppeninterview, mit oder ohne Eltern, über eine Stunde oder gar ein ganzes Wochenende. Welches konkrete Auswahlverfahren das beste ist, kann nicht gesagt werden. Schließlich hängt ein qualifiziertes Urteil über die persönliche Eignung eines Schülers weniger von der Methode und mehr von der sorgfältigen Arbeitsweise und Erfahrung der Auswählenden ab.

Unerlässlich, und darauf solltest du Wert legen, ist der direkte und persönliche Kontakt zwischen dir und den Mitarbeitern der Organisation. Dabei sollte genug Zeit zur Verfügung stehen, sich umfassend kennenzulernen. Unseriöse Settings, wie zum Beispiel Gaststätten oder Foyers, Interviews unter Zeitdruck oder die Besprechung von Themen, die sich ausschließlich mit der Finanzierung des Austauschjahres, dem zu unterzeichnenden Vertrag oder Allerweltsthemen befassen, sollten dich skeptisch stimmen. Werbeveranstaltungen und Telefoninterviews ebenfalls! Damit kann niemand dir und den Anforderungen eines Austauschprogramms gerecht werden. Nicht nur, dass es damit der Austauschorganisation unmöglich ist, sich ein umfassendes Bild von deiner Person zu machen, auch dir bietet ein solches Setting nicht die Möglichkeit, die Organisation und seine Mitarbeiter kennenzulernen.

Welche Eigenschaften sollte ein Austauschschüler mitbringen? Warum prüfen die Anbieter ihre Bewerber meistens sehr genau?

Mit der gezielten Auswahl der Programmteilnehmer versuchen die Austauschorganisationen das Risiko zu minimieren, dass es schwerwiegendere Probleme während des Austauschjahres oder gar dessen Abbruch gibt. So kommt es zum Beispiel immer wieder vor, dass Schüler mit unrealistischen Erwartungen oder auf Drängen ihrer Eltern ein Austauschjahr beginnen. Dies führt zumeist unwillkürlich zu großen Schwierigkeiten beim Einleben in die neue Kultur, die neue Familie und die neue Schule. Leidtragende sind im Endeffekt dann alle Beteiligten: Der Austauschschüler, der zum Beispiel unter sehr starkem Heimweh leidet und große Schwierigkeiten hat, sich in seine neue Familie zu integrieren und einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Es kann zu Streit mit der Gastfamilie kommen, der das komplette Familienleben nachhaltig beeinträchtigt. Zu Hause haben die Eltern aus Sorge schlaflose Nächte und die Austauschorganisation hat einen erheblichen Aufwand an Zeit und Geld, da sie tätig werden und nach Lösungen suchen muss. Aber nicht nur das: Immer wieder berichten Austauschorganisationen, dass Familien und Schulen nach negativen Erfahrungen mit Austauschschülern nicht mehr bereit sind solche aufzunehmen. Nur ein konfliktreiches Austauschjahr eines einzigen Schülers kann also die Arbeit der Austauschorganisation in den Folgejahren sehr erschweren.

Als die besten Erfolgsgaranten für ein Austauschjahr gelten:

  • die eigene Motivation, sich ins Austauschabenteuer stürzen zu wollen
  • Anpassungsfähigkeit, fremde Familien- und Schulregeln zu befolgen
  • keine zu hohen Erwartungen an das neue Leben in der Fremde bzw. das "schönste" und "aufregendste" Jahr mitzubringen
Darüber hinaus werden als Eigenschaften stets ein gutes Maß an Aufgeschlossenheit, Verantwortungsbewusstsein und Selbständigkeit benannt. Auch sollten Austauschschüler keine großen schulischen Probleme haben.


Auswahl der Gastfamilien

Damit ein Austausch gelingt, braucht es Gastfamilien, die sich flexibel auf ein neues Familienmitglied einstellen und sich aufmerksam und liebevoll um die persönlichen und schulischen Belange des Austauschschülers kümmern. Wie auch bei der Auswahl der Austauschschüler ist es Aufgabe der Organisation (bzw. ihrer Partnerorganisation im Ausland), die Auswahl der Gastfamilien sehr sorgfältig vorzunehmen. Einige Organisationen legen viel Wert darauf, dass ausschließlich "richtige Familien", d.h. keine Einzelpersonen, als Gastfamilie an ihrem Programm teilnehmen. Ob eine "richtige" Familie zu sein, ein absolutes Muss ist, darüber kann man sich streiten. Wichtig ist aber, dass die Mitarbeiter der Organisation sicherstellen, dass die Erwartungshaltungen der Familie mit dem angebotenen Programm übereinstimmen: Ist die Familie vielleicht doch eher an einem AuPair-Programm interessiert? Erwartet die Familie eine finanzielle Gegenleistung? Hat die Familie unrealistische Erwartungen hinsichtlich möglicher Probleme, der Dauer des Austauschjahres oder der zu erwartenden finanziellen Belastung?

Nach der Beratung und Entscheidung muss die Familie ihre Aufnahmebereitschaft natürlich bis zum Beginn des Austauschjahres aufrechterhalten. Mangelnde Motivation, Veränderungen in der Lebenssituation (z.B. Arbeit, Krankheit, Sterbefall in der Familie), aber auch negative Schlagzeilen in den Medien (z.B. über unseriöse Anbieter, negative Berichte über Austauschschüler in der Region) können die Aufnahmebereitschaft jederzeit beeinflussen. Nicht selten kommt es vor, dass Familien noch in letzter Minute absagen und eine neue Familie für den Austauschschüler gefunden werden muss.

Wenn du also erst recht spät die Adresse deiner Gastfamilie zugesandt bekommst, so ist dies nicht immer die Schuld der Organisation. Das Finden von Gastfamilien ist nicht einfach und erfordert sehr viel Zeit und Engagement. Trotz großer Anstrengungen kann es leider vorkommen, dass kurz vor Programmstart noch nicht genügend Familien gefunden sind und einzelne Platzierungen nicht erfolgen können. Manchmal geht die schwierige Suche aber auch zu Lasten der sorgfältigen Auswahl. So kommt es immer wieder vor, dass Familien nicht genauestens unter die Lupe genommen werden, ob sie tatsächlich für die Aufnahme eines Gastschülers geeignet sind. Am besten ist es, sich bei der Organisation über die Auswahlkriterien für Gastfamilien zu informieren und sich ein eigenes Bild zu machen.

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Austauschschüler mit Gastfamilie in China (Bild: AFS)
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Grillparty mit Gastfamilien in Dtl. (Bild: Partnership International e.V.)

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