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Katharina L. Südafrika 2002/03

Schritt für Schritt

Noch 110 Tage. Auf den Tag genau. Wenn man genau darüber nachdenkt, dann erkennt man, dass ein Austauschjahr lange vor dem Abflug beginnt - mit Gedanken, Ängsten und Vorfreude.

Ich habe die Tage gezählt. Es sind nur noch knapp 110. 110 Tage und ich befinde mich auf meiner Reise, meinem Jahr in Südafrika. Ich habe Angst. Ich weiß nicht, was kommen wird, wie es wird. In mir steckt eine Art Grundspannung und ich freue mich. Gleichzeitig aber weiß ich, dass ich in 5 Monaten von meinen Freunden und vor allem von meiner Familie Abschied nehmen muss.

Eigentlich bin ich schon mitten in meiner Reise, oder ist es vielleicht besser zu sagen Abenteuer? "Selbst die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt" lautet der Spruch auf einer Postkarte, die mir meine Mutter am Tag des Bewerbungsinterviews geschenkt hat. Ja, ich bin schon seit November unterwegs, aber ich weiß nicht, was auf mich zu kommen wird. Ich habe Erfahrungsberichte gelesen, verschlinge jeden noch so kleinen Schnipsel über Südafrika, aber mir fehlt die Erfahrung, die man nur bekommt, wenn man länger in diesem Land wohnt.

Wenn mich jemand fragt wieso ich ausgerechnet nach Südafrika möchte, dann kann ich keine genaue Antwort geben. Vielleicht ist es einfach das Gefühl mal aus dem ganzen Trott hier bei mir heraus zu kommen, sicher kommt auch eine große Portion Abenteuerlust und "Hunger" auf neue Kulturen dazu. Aber wieso gerade Südafrika?

Sicher, USA oder Australien hätte auch genügt um meine Bedürfnisse zu "befriedigen", aber ich mag Afrika unwahrscheinlich und als im Sommer dann noch eine gute Bekannte nach Tansania ging war für mich klar, dass ich dort auch hin wollte.

Viele halten mich deshalb für verrückt. Südafrika besitzt eine sehr hohe Kriminalitätsrate hat, aber wenn man sich an gewisse Regeln hält, lebt man sicher auch nicht unsicherer als in irgendeiner Großstadt in den USA.

Einige meiner Freundinnen verstehen meine Entscheidung nicht. Manchen machen sich auch über "mein" Land lustig. Das macht mich traurig, denn ich weiß, dass in der Presse vieles über Südafrika oft falsch dargestellt wird.

Und je mehr ich mich mit dem Land beschäftige um so mehr will ich dorthin. Das Land fasziniert mich. Die Zeit bis zu meinem Abflug vergeht viel zu schnell, ich muss noch so viel erledigen. Eine scheinbar unlösbare Aufgabe im Wettlauf gegen die Zeit.

Manchmal komme ich ins Grübeln, frage mich, ob die Entscheidung wirklich gut war. Und in 15 Monaten werde ich schon wieder zu Hause sein. Ein Trost, aber es stimmt mich auch traurig, denn in 15 Monaten ist "mein" Jahr schon wieder vorbei.

In dieser Zeit werde ich jedoch viel Erfahrung gesammelt haben, die mir dann niemand mehr nehmen kann. Das, so denke ich, ist das wirklich Wichtige eines Austauschjahres. Das, was wirklich zählt. Dieser Aufenthalt wird mich verändern, ich weiß noch nicht wie, aber dass er mich verändert merke ich schon jetzt.

An alle, die sich überlegen, ein Jahr irgendwo hin zu gehen. Macht es! Auch wenn euch das Ausfüllen der Unterlagen oder der Abschied von den Freunden schwer fallen, es ist ein echt gutes Gefühl, schon jetzt, wo ich noch gar nicht weg bin.

Mitte April ist mein Vorbereitungstreffen, ein Schritt weiter und näher nach Südafrika.

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