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Die Redaktion

Ein schwieriger Gast aus Mexiko - Ausgetauschte antworten Ausgetauschten

Familie S. hatte eine Austauschschülerin aus Mexiko und schrieb uns ihre nicht einfachen Erfahrungen. Diese und die Sichtweise einiger Ausgetauschter darauf finden sich in diesem Beitrag.

Ich habe den Gastmutter-Artikel gelesen und möchte zu diesem Thema etwas sagen: Wir hatten eine Austauschschülerin aus Mexiko hier bei uns. Sie kam ohne Visum, wollte allerdings länger als drei Monate bleiben. Also habe ich das Ausländeramt kontaktiert. Neben einigen Bescheinigungen hätten wir als Gastfamilie eine Unterhaltsgarantie nach § 84 AuslG abgeben müssen. Das bedeutet, dass wir für alles gerade stehen hätten müssen, was unserer Austauschschülerin widerfährt, einschließlich Folgen aus Rechtswidrigkeiten. Da sie nach zehn Tagen drei Stunden nach Termin sternhagelvoll zu uns gebracht wurde, wollten wir diese Garantie nicht mehr übernehmen.

Wir sind eine Familie mit 4 Kindern, in der alle Haushaltspflichten übernehmen. Unsere Austauschschülerin hat sich immer in ihr Zimmer zurückgezogen, auch nach mehrmaligen Gesprächen. Am Unterricht in der Schule war sie nicht besonders interessiert, Hausaufgaben hat sie etwa viermal angefertigt. Sie wollte sich jeden Nachmittag mit weiteren mexikanischen Austauschschülern in der Stadt treffen. Auch hierüber haben wir gesprochen.

Erschwerend kam noch hinzu, dass sie mit einem gebrochenen Zeh hierher kam, der ihr Schmerzen verursachte und einen Arztbesuch erforderlich machte. Geld, das ich ihr lieh bis sie mit ihrer Karte wieder welches von ihren Eltern abheben konnte, bekam ich erst nach mehreren Aufforderungen zurück. Zuletzt gab es Probleme damit, dass sie nicht zum Termin ausreisen möchte. Wir haben ihr erklärt, dass sie dann illegal hier ist etc. und wir sie zu ihrem Flug bringen würden. Sie hat sich für die letzten 14 Tage eine neue Familie gesucht, was mich sehr erleichtert.

Gibt es Gasteltern mit ähnlichen Erfahrungen? Wir werden unsere Tochter nicht nach Mexiko in die Familie schicken.


Solche Erfahrungen und Einschätzungen bleiben bei Ausgetauschten natürlich nicht ohne Wirkung. Als ehemalig Betroffene haben wir auch einblick in die Erfahrungen von Gastfamilien bekommen und darauf hin auf den Beitrag geantwortet! Der Namen der Familie wurde von uns natürlich geändert.


Liebe Frau Schneider, vielen Dank für Ihre Erfahrungen die mir persönlich und sicherlich auch anderen Eltern und Betreuern zum Teil nicht unbekannt sind. Um auf Ihre Mail zu antworten, haben wir versucht, in unserer Redaktion und bei anderen Ausgetauschten, einige Perspektiven zu sammeln:

(1) Betreuerin und langjährige Mitarbeiterin von YFU
(2) gegenwärtige Austauschschülerin in Mexiko
(3) Ausgetauscht.de - Redaktion



Hier die Antwort von einer ehrenamtlichen Betreuerin und langjährigen Mitarbeiterin von Youth For Understanding (YFU):

Lieber Redaktion und andere, hier einige Ideen: Vielleicht ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass es immer eine bedauerliche(!) Einzelerfahrung ist, die immer wieder vorkommen kann. Gab es denn keine Organisation, die hier betreuend einspringen konnte? Das könnte Teil des Problems gewesen sein. Von der Erfahrung mit dem Mädchen auf die Eigenschaften der Familie zu schließen liegt nahe, muss aber nicht richtig sein. Und damit der eigenen Tochter die Austauscherfahrung zu nehmen, wäre sehr schade und sollte genau überlegt werden. Wie gesagt, auch hier die Organisation ansprechen (wenn es eine gibt) und auf die Bedenken [hinsichtlich dieser Einstellung] hinweisen. Familie ist zwar wichtig für die Austauscherfahrung, aber der Austausch und die diesbezüglichen Lerneffekte sind noch viel umfangreicher und wiegen sehr viel. Aus meinen eigenen Erfahrungen ist gegenseitiger Austausch (1:1) oft problematisch.


Hier die Antwort einer deutschen Austauschschülerin in Mexiko:

Ich glaube, dass die deutsche Gastfamilie in erster Sicht Pech gehabt hat mit dieser Mexikanerin, und die Probleme die sie mit der Austauschschülerin hatten sind, finde ich, auch nicht wirklich mexikanische Eigenschaften.

Das Einzige, dass ich nachvollziehen kann, ist dass sie ohne Visum kam und länger bleiben wollte, denn in Mexiko hat keiner Visumsprobleme und wenn jemand etwas vom Staat will, wie z.B. ein Visum oder ähnliches, muss man es sich über Beziehungen besorgen oder bezahlt es teuer.

Ich glaube, dass Alkohol kein typisch mexikanisches Problem ist, nur ich glaube schon, dass man in Mexiko mehr trinkt als in Deutschland, aber nicht bis man sternhagelvoll ist. Und das deutsche Jugendliche sternhagelvoll nach Hause kommen ist ja auch nicht etwas außergewöhnliches. Außerdem könnte es sein, dass sie das deutsche Bier nicht gewohnt war am dritten Tag und sich überschätzt hat, da das Bier hier weniger Alkoholprozent hat.

Das Problem, dass sie sich immer mit den Mexikanern getroffen hat liegt wahrscheinlich daran, dass sie Heimweh hatte nach Mexiko, nach Leuten mit ähnlichen Eigenschaften, oder vielleicht fand sie es schwer, deutsche Freunde zu finden. Vielleicht war sie auch einfach nicht die geeignete Person für einen Austausch.



Und hier unser erster Eindruck aus der Redaktion:

Als ehemalige Austauschschüler und Betreuer von Gastfamilien und Austauschschülern können auch wir Ihnen ein wenig nachfühlen. Was wir nicht wissen, ist, ob sie von einer Austauschorganisation und von einem Ansprechpartner vor Ort betreut worden sind. Dies ist unserer Meinung nach ein sehr wichtiger Aspekt, den es bei der Aufnahme von Austauschschülern zu beachten gilt.

Oft fehlt damit nämlich nicht nur die erforderliche interkulturelle Vorbereitung, die des Schülers und die der Gastfamilie, sondern auch der Ansprechpartner bei organisatorischen Fragen, Behördengängen, Missverständnissen, usw. Ihr Beitrag lässt unserer Meinung nach herausklingen, dass gerade diese kompetente Vorbereitung und Betreuung in ihrem Fall nicht vorhanden gewesen ist. Können wir davon ausgehen? Wie und durch wen wurde der Austausch organisiert?

Wenn Sie uns auf diese Frage weiterhelfen könnten, würden wir uns gern noch einmal bei Ihnen melden. Auch ist es möglich, Ihnen andere Eltern als Ansprechpartner zur Verfügung zu stellen, wenn Sie dies möchten. In diesem Fall würden wir Ihre Emailadresse an diese weiterleiten. Mit ganz herzlichen Grüßen und in Erwartung Ihrer Antwort verbleiben Ihre Ausgetauschten.

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