Bundestagsabgeordnete Stefanie Vogelsang (Foto:PR)

C. K.

Warum wird man PPP-Patin, Frau Vogelsang?

Ausgetauscht.de hat bereits einen Blick in das Büro des Organisationsteams des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) getan und dafür den Deutschen Bundestag besucht. Wir wollten aber auch wissen, warum Bundestagsabgeordnete Paten werden und wie sie ihren Austauschschüler aussuchen. Ausgetauscht.de besuchte dafür die Bundestagsabgeordnete Stefanie Vogelsang, die seit vier Jahren PPP-Stipendiaten betreut und für den Wahlkreis Berlin Neukölln zuständig ist.

Ausgetauscht.de:


Hallo Frau Vogelsang, seit wann sind Sie Patin für PPP-Stipendiaten?

Stefanie Vogelsang:


Ich bin die einzige Bundestagsabgeordnete aus meinem Wahlkreis und deswegen darf ich seit 2009 auch jedes Jahr sowohl eine(n) SchülerIn als auch eine(n) Berufstätige(n) für das Stipendium auswählen.

Ausgetauscht.de:


Wie sind Sie auf das Programm gestoßen?

Vogelsang:


Die Bundestagsverwaltung fragt, ob man das möchte und für mich war das überhaupt keine Frage, natürlich möchte ich den NeuköllnerInnen die Chance geben dahin zu fahren und das zu machen.

Ausgetauscht.de:


Wie ist die Resonanz in Ihrem Wahlkreis Neukölln?

Vogelsang:


Wenn ich sehe wie viel sich hier beworben haben (im Wahlkreis Neukölln bewerben sich durchschnittlich weniger als fünf Schüler, Anmerkung Redaktion), obwohl wir uns sehr viel Mühe gegeben haben... Ich habe jede Schule angeschrieben, jeden Schulleiter darauf aufmerksam gemacht, ich habe die Plakate und die Fragebögen an jede Schule gegeben. Immer wenn ich an Schulen bin und das bin ich häufig, habe ich darüber berichtet und es als Chance dargestellt. Vielleicht liegt es ein bisschen am Bezirk (In Bezug auf die finanzielle und soziale Situation wird Neukölln oft als „Problembezirk“ angesehen, Anmerkung Redaktion), aber ich glaube, dass die Prozentzahl auch in anderen Bezirken und Kommunen niedrig ist. Es ist natürlich auch eine riesige finanzielle Belastung. Welche Elternteile können sich es schon leisten, ihr Kind für ein Jahr das Auslandsjahr zu finanzieren? Das kann nicht jeder. Das wissen ja auch die Kinder, ob die Eltern das können oder nicht.

Ausgetauscht.de:


Wie oft haben Sie Kontakt zu dem PPP-Organisationsteam?

Vogelsang:


In der Auswahlphase kontaktiert man sich ein paar Mal und dann geht es ja auch darum den Stipendiaten, der in Amerika ist, zu betreuen und den Kontakt zu halten, und da gibt es immer Schwierigkeiten, über die man dann mit dem Orga-Team sprechen muss, wie man sie lösen kann. Es geht aber auch darum den Kontakt mit den Stipendiaten des amerikanischen Kongresses herzustellen, die hier sind und um die man sich hier kümmert.

Ausgetauscht.de:


Hat man als Patin auch immer einen amerikanischen Stipendiaten zu betreuen?

Vogelsang:


Das ist immer so. Die vorletzte Stipendiatin hat sogar Weihnachten bei mir Zuhause verbracht, weil sie das Pech hatte, gar nicht in eine Familie gekommen zu sein, sondern hier in einer Wohngemeinschaft zu wohnen und so Weihnachten ganz allein gewesen wäre. Sie kam aus Australien und war dann Heiligabend bei uns Zuhause. Der Stipendiat der jetzt hier ist, der war letzte Woche hier und er kommt demnächst noch einmal und dann nehme ich ihn mit in die Fraktion und lade ihn auch zu mir nach Hause ein, damit er mal das Umfeld kennen lernt. Wenn ich das Gefühl habe helfen zu müssen, wenn irgendetwas nicht in Ordnung ist, dann soll der Stipendiat auf jeden Fall wissen, da ist jemand der mir hilft. Wenn Ärger in der Familie ist, wenn irgendetwas ist, wie zum Beispiel die Stipendiatin in der Wohngemeinschaft, dann helfe ich. Sobald ich weiß wo die Stipendiaten wohnen, nehme ich Kontakt mit ihnen auf, lerne sie kurz kennen und auch wenn ich dann noch nicht weiß, was wir das nächste Jahr gemeinsam machen, sollen sie wissen, dass ich bei Sorgen und Nöten für sie da bin.

Ausgetauscht.de:


Was sind denn mögliche Schwierigkeiten?

Vogelsang:


Es passiert, dass die Stipendiaten sich ganz viel für ihr Austauschjahr vornehmen und dann in den USA vor ganz anderen Bedingungen stehen, als wie sie es sich vorher gedacht hätten.
Die Stipendiaten benötigen auch eine Form von Alltagstauglichkeit, denn es geht ja nicht darum von einem Highlight ins nächste springen zu können. Sie wissen vorher nicht, was sie erwartet und deshalb ist es wichtig, dass die Stipendiaten die soziale Kompetenz haben, sich auf neue Situationen einstellen zu können und sich eher zu denken, dass das Glas halb voll ist und nicht halb leer.

Ausgetauscht.de:


Sie laden die Bewerber zu einem persönlichen Gespräch ein. Was besprechen Sie mit ihnen?

Vogelsang:


Ich quatsche mit den Bewerbern und versuche mir einen Eindruck zu verschaffen. Ich frage sie, ob sie eine Vorstellung davon haben auf was sie sich einlassen und wie sie mit Schwierigkeiten vor Ort klar kommen können. Das ist dann am Ende eine subjektive Entscheidung von mir und das ist auch vorher eine subjektive Entscheidung von der Austauschorganisation, wenn sie jemand dafür auswählt, in die letzte Runde zu kommen. Mal stimmt die Chemie, mal stimmt sie weniger.

Ausgetauscht.de:


Das heißt, Sie schauen nicht mehr auf die Noten und das Engagement des Bewerbers?

Vogelsang:


Nein, die Voraussetzungen die für die Austauschorganisationen so wichtig sind, wie die Einser in jedem Fach, schrecken mich eher ab, vielleicht weil ich selbst Mutter von Kindern in dem Alter bin und genau weiß, was das für Kinder sind, die diese Noten nach Hause bringen und ich das persönlich nicht als das Ziel empfinde. Die Haltung „Ich schaffe das schon“ ist eben auch ganz wichtig und das versuche ich an den Bewerbern ein bisschen auszutesten.

Ausgetauscht.de:


Die politische Richtung der Stipendiaten spielt bei der Auswahl keine Rolle?

Vogelsang:


Nein, das ist egal.

Ausgetauscht.de:


Wie stark ist während des Austauschjahres der Kontakt zu den Stipendiaten?

Vogelsang:


Alle zwei bis drei Wochen spricht man per Mail miteinander. Am Anfang mehr und am Ende wieder mehr, so zwischendurch wird es dann ein wenig ruhiger. Aber ich sage denjenigen auch, dass ich gern auf dem Laufenden gehalten werden möchte und das mich interessiert wie es ihnen dort geht, dass ich möchte, dass sie mir schreiben und dass es zumutbar ist, wenn sie sich alle zwei Wochen eine halbe Stunde Zeit nehmen, dem oder der Abgeordneten zu schreiben wie es gerade dort ist.

Ausgetauscht.de:


Achten Sie darauf, dass die Stipendiaten ihre Aufgabe als Junior-Botschafter erfüllen?

Vogelsang:


Ich achte da schon drauf und frage in nett verpackten Sätzen nach. Wenn ich dann frage ob sie in ihrer High School schon einen Vortrag über Deutschland gehalten haben und sie antworten mit „nein“, dann sage ich schon, dass sie fragen sollen, ob sie das nicht machen könnten.

Ausgetauscht.de:


Was würden Sie den PPP-Bewerbern noch mit auf den Weg geben?

Vogelsang:


Sie sollen es nicht für den Lebenslauf machen, nicht für die Noten machen, es nicht für eine super Stelle in der Zukunft machen, sondern es machen, weil sie sich für ein Jahr kunterbunte Erfahrungen erwarten.





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