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Alle Toten fliegen hoch. Amerika.

Wer einen wirklich guten Roman zum Thema Austauschjahr sucht, kann nun endlich aufatmen: wir haben ihn gefunden. Mit "Amerika" ist dem deutschen Schauspieler Joachim Meyerhoff das gelungen, was man einen Bestseller nennt. Dabei kann man dem Buch eines definitiv nicht unterstellen, nämlich den Mainstream bedienen zu wollen. Im Gegenteil. Meyerhoffs Geschichte, die durch und durch autobiographisch ist, schafft es, den Leser auf unverhofft komische und lebendige Art in das Universum eines 17jährigen Mitte der 80iger Jahre zu(rück zu) katapultieren.



Weitere Infos unter: www.kiwi-verlag.de



Alle Toten fliegen hoch. Amerika.
Joachim Meyerhoff

„Ich selbst hatte das verwirrende Gefühl, bestimmt hundertmal vom Kind zum jungen Mann und mit Überschallgeschwindigkeit vom jungen Mann wieder zum Kind zurückkatapultiert zu werden.“ So beschreibt der Protagonist die uns allen so vertraute Verwirrung durch die Pubertät.
Der Ich-Erzähler lebt mit seiner Familie, seinen zwei Brüdern und dem Hund in einer Kleinstadt. Anfangs empfindet er sich selbst noch als recht normal und nicht allzu uncool, bis er an einem Bewerbungsgespräch für ein Austauschjahr teilnimmt. Dort begegnet er diversen Großstadtkids, die scheinbar alle schon ihren Stil, ihre Meinung oder ihren Lebensweg gefunden haben. Und da sitzt er nun und muss lauter Kommunikationsspiele spielen, persönliche Fragen beantworten und in einem Satz zusammenfassen, was er eigentlich so will. Doch mit 17 ist das so eine Sache mit dem Wollen. "Ich würde gerne Basketball spielen - und ein anderer Mensch werden", sind seine schnell gekritzelten Worte, bevor ihm der Fragebogen entrissen wird.

Widererwarten bekommt er von der Austauschorganisation doch noch eine Zusage: Für eine streng religiöse Familie mit ebenfalls drei Söhnen, einem stinkenden Hund und Gemeinschaftsbadezimmer im weit, weit entlegenen amerikanischen Wyoming, Laramie. Obwohl zu Beginn alles irgendwie weit, einsam und unspektakulär zu sein scheint, wird dieses Jahr ihm und dem Leser überraschend viel zu bieten haben. Da sind der leicht sadistische Gastbruder, verrückte Lehrer, ein Besuch im Gefängnis inklusive Brieffreundschaft mit dem Doppelmörder Randy Hart, ein One-Night-Stand oder die Aufnahme ins Basketballteam der Schule.

Dann verstirbt plötzlich sein mittlerer Bruder bei einem Autounfall und Joachim Meyerhoff reist nach Deutschland zurück. Der nun folgende Zustand wirkt wie ein Traum und zur pubertären Verwirrung haben sich die tiefe Trauer und die sprachliche Zerissenheit zwischen der deutschen und englischen Sprache gesellt. Aus diesem Grund bleibt unserem Erzähler auch gar nichts anderes übrig, als nach der Beerdigung wieder nach Amerika zurück zu fliegen. Weit weg.
Doch auch wenn er den Tod seines Bruders erst fünfundzwanzig Jahre später wirklich verarbeiten kann, so macht diese Reise aus ihm definitiv einen Grown-up, wenn nicht sogar einen kleinen Helden. Alle Toten fliegen hoch. Coming of age at its Best!


Kurzum: Wir haben hier den idealen Roman zum Austauschjahr für Jugendliche, Eltern, Gastfamilien und Interessierte. Denn die Geschichte enthält alle wichtigen Stationen und Emotionen eines solchen Trips. Wunderbar erzählt - authentisch, voller Selbstironie, politisch inkorrekt und viele Themen so herrlich jugendlich auf den Punkt gebracht. Unbedingt lesen!!!

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