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Estland - "I like it, because it’s not so city, but I neither have a cow in my backyard."

Hannah verbrachte ihr Austauschjahr in Estland und bereute es nicht, sich für dieses wunderschöne, kleine Land entschieden zu haben.

"Tere, minu nimi on Hannah, ma olen 17 aastat vana ja ma olen vahetusõpilane Saksamaalt" - "Hallo meine Name ist Hannah ich bin 17 Jahre alt und eine Austauschschülerin aus Deutschland". Das fasst so ungefähr meine einzigen Estnisch-Skills zu Beginn des letzten Schuljahres zusammen. Die Antwort habe ich dann meistens nicht verstanden, aber ich war immer sehr stolz, wenn ich diesen Satz wieder einmal fehlerfrei aussprechen konnte! Kaum zu glauben, dass das alles schon knappe 9 Monate her ist. Ich muss ehrlich sagen, dass ich niemals gedacht hätte, dass ein Land, welches mir vor einem Jahr noch total fremd war, auf einmal mein Zuhause sein kann. Dass Menschen, die ich vor 10 Monaten noch gar nicht kannte, auf einmal so wichtig sein können. Oder, dass eine Familie, bei denen ich vor 9 Monaten wie ein Gast durch die Tür spaziert bin, auf einmal meine zweite Familie ist. Aber eins kann ich euch sagen: Es geht!

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Mein kleiner Gastbruder.
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Meine estnische Freundin und ich.


Aber was gibt es eigentlich in Estland?

Estland hat meiner Meinung nach echt viel zu bieten, obwohl es so klein ist. Aber wir kennen ja alle den Spruch "Klein aber fein". Ich lebe hier in einem ziemlich, ziemlich kleinen Ort, umgeben von Wald und Natur. Morgens fahre ich eine halbe Stunde mit dem Schulbus in den nächsten größeren Ort. Am Anfang des Schuljahres hat mir eine Klassenkameradin einmal erklärt, warum sie ihren Wohnort so mag: "Ich mag es, weil es nicht so eine volle Stadt ist, ich aber auch keine Kuh im Garten stehen habe!" Ich muss ehrlich sagen, ich habe am Anfang echt nicht verstanden, was sie damit meint. Aber nach einiger Zeit hat es „klick“ gemacht und jetzt liebe ich dieses Ort-Leben einfach. Mal eben mit dem Fahrrad zu einer Freundin fahren, die ganze Klasse trifft sich mal eben auf dem Schulhof, um etwas zu besprechen, es ist irgendwie alles viel freier. Und so Out-Of-World lebe ich hier ja zum Glück doch nicht. Ich kann sowohl mit dem Bus als auch mit dem Zug in einer halben Stunde in der wunderschönen Hauptstadt Tallinn sein. Dort gibt es nicht nur 11 riesige Einkaufscenter, in welchen ich mich (meistens mit den anderen Austauschschülern) stundenlang aufhalten kann, Tallinn hat auch eine wunderschöne, große Altstadt, wo man im Winter unter anderem auch Schlittschuh laufen konnte. Außerdem gibt es neben den ganzen historischen Teilen auch noch einige Freizeitangebote und natürlich das wunderschöne Meer.


Was ist denn typisch estnisch?

Kartoffeln! Also ich wusste ja immer schon, dass „die Deutschen“ viele Kartoffeln essen, aber hier?! Es gibt eigentlich immer Kartoffeln, in allen Varianten mit allem Möglichen. Schlecht? Gut? Anders! Eine andere Essgewohnheit sind auf jeden Fall das Brot und die Milch, die sind einfach bei jedem Essen dabei. Genauso wie „Hapukoor“, das ist eine Art Sourcream und wird einfach als Geschmacksverstärker (oder ggf. -entstärker) auf alles in Massen drauf geklatscht. Am Anfang habe ich es immer nur in Tröpfchen auf mein Essen gelassen, aber inzwischen darf es echt nicht mehr fehlen. Wo wir gerade schon mal beim Essen sind, kommen wir doch mal zum Himmel (& gleichzeitig Hölle) eines jeden Austauschschülers in Estland ... KOHUKE! Ich weiß gar nicht genau, wie ich es beschreiben soll, es ist einfach himmlisch! Nennen wir es mal eine Art süße Quarkmasse, welche mit dünner Schokolade ummantelt ist. Dies gibt es mit ungefähr dreißig verschiedenen Füllungen von zehn verschiedenen Marken in drei verschiedenen Größen in jedem Supermarkt. Supermärkte sind auch so eine Sache, die sind einfach riesig hier, also wirklich! Ich weiß noch, wie ich am Anfang meines Jahres mit anderen Austauschschülern durch Supermärkte gegangen bin, einfach nur damit wir neue Vokabeln lernen – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Die Sprache ist auch eine Sache für sich, mit seinen 14 Fällen ist estnisch ganz sicher keine einfache Sprache, aber eine schöne allemal und ich finde es echt sehr angenehm, wenn man nicht vor allem ein „der, die, das, ein, eine, einem, einer, eines….“ hat. Sonst ist typisch estnisch natürlich noch die Sauna. Auch ich habe eine Sauna zu Hause und da geht echt nichts unter 100 Grad. Vor Estland war ich nie in einer Sauna, aber es tut einfach so gut. Man besucht hier nicht nur Haussaunen, sondern geht gelegentlich auch mal mit Freunden oder der Familie in ein Spa, wo es dann eine relativ große Auswahl an verschiedenen Saunen gibt.


Estländer?

Also erst einmal NEIN, es sind Esten und nicht Estländer, ich weiß nicht wie oft ich das schon gefragt wurde, aber nein, wie sind ja auch keine Deutschländer, oder? Die Esten gelten als sehr verschlossenes Volk. Das kann ich auch nur bestätigen, es hört sich aber schlimmer an als es ist. Es ist schon so, dass die meisten Esten eine bestimmte Gabe haben, ihre Emotionen für sich zu behalten, aber das bedeutet nicht, dass sie keine haben. Ich kenne hier tatsächlich nur total liebenswürdige Menschen und alle sind begeistert, dass du wirklich in ihr kleines Land gekommen bist, auch wenn sie es nicht immer auf Anhieb zeigen. Richtig habe ich das gemerkt, als ich wirklich begonnen habe estnisch zu sprechen. Alles schien auf einmal viel freundlicher und Sachen, die ich vorher für negative Ausdrücke gehalten habe, waren auf einmal total positiv. Also das steht fest: Esten sind echt liebe, aber größtenteils ziemlich schüchterne Menschen. Aber wenn du probierst ihre Sprachen zu lernen, bricht das Eis ziemlich schnell. Wie oft jemand zu mir kommt „Hannah, Hannah sag mal >Hauaööõudused< oder einfach >Krõõt<.“ Jugendliche in unserem Alter verbringen auch relativ viel Zeit mit ihren Smartphones, wobei es hier nicht in den meisten Schulen, sondern generell fast überall freie Hot-Spots gibt, gelegentlich sogar im Wald.


Reisen in Estland?

Reisen ist ein sehr guter Punkt und zwar kommt man in ungefähr drei Stunden zum anderen Ende von Estland und da sowohl Busse als auch Züge ziemlich billig (im Vergleich zu Deutschland) sind, habe ich es auch schon oft gemacht. Ich war neben Tallinn nicht nur in Tartu, sondern auch auf der Insel Saaremaa und in einigen Orten in Südestland. Außerdem haben wir mit YFU Eesti einen Wochenendtrip nach Narva gemacht. Narva ist die süd-östlichste Stadt von Estland und liegt direkt an der russischen Grenze, weshalb der estnische Anteil der Bevölkerung dort auch nur bei 3% lag… Dank der super-fantastischen Lage von Estland habe ich im letzten Jahr aber auch noch einiges mehr gesehen. Zum Beispiel war ich mehrere Male in Finnland, in Helsinki, sowohl mit YFU und den anderen wundervollen Austauschschülern, als auch mit Klassenkameraden. Dann war ich mit meiner Klasse für ein Wochenende in Stockholm, Schweden und zu guter Letzt war ich auch zweimal in Riga in Lettland, einmal davon mit YFU. Generell machen wir hier alle relativ viel mit anderen Austauschschülern, da wir einfach alle „relativ“ nah aneinander wohnen (höchstens drei Stunden) und YFU Eesti auch ganz oft Angebote für uns hat.

Zusammengefasst ist Estland eine wirklich besondere und einzigartige Herausforderung, welche es sich auf jeden Fall lohnt einzugehen! Ich bin so froh, dass ich mich damals gegen den „Mainstream USA“ und für dieses wunderschöne, kleine Land entschieden habe!

Hannah (YFU)

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