Eine Ode an Deutschland

Ersteinmal: frohes neues Jahr! Ich hoffe, dass (besonders fuer alle austauschschueler) noch viele neue und spannende erfahrungen auf uns warten und dass wir alles geniessen (koennen). Der titel sagt ja eventuell schon etwas, aber um es kurz zu erklaeren: Ich sitzte grade in minnesota und habe das neue jahr jetzt mal geeigneten punkt gesehen, ueber meine bisherigen austauscherfahrungen zu berichten und auch mein fazit zu ziehen.
Ich kam im august hier an und ende januar heisst es fuer mich wieder 'zurueck nach deutschland'. Und in diesen bisher knapp 5 monaten habe ich schon viele erfahrungen gesammelt. Da kam zum einen ein gastfamilienwechsel auf mich zu, womit ich bevor ich herkam nie gerechnet haette. natuerlich wird einem auf diversen vorbereitungsseminaren mitgeteilt, dass so etwas auch passiert und gar keine seltenheit ist, aber irgendwie habe ich das nie fuer mich in betracht gezogen. und als es dann zu dem punkt kam wo ich sagte 'ich halte das hier nicht mehr aus' war ich doch ein wenig hilflos und fuehlte mich 'klein', bin nun jedoch umso mehr stolz auf mich, dass ich das alles so durchgezogen habe. auch in der schule war es fuer mich schwerer als gedacht, denn es sind naemlich nicht alle auf mich zugekommen und wollten mit mir befreundet sein, sondern viele waren wirklich eher desinteressiert. und besonders die letzte zeit, wo ich mich doch schon mental langsam auf einen abschied vorbereite, denke ich ueber vieles hier nach. Bevor ich kam, habe ich immer gesagt 'boah amerika ist soooooo cool! da moechtest du spaeter auf jeden fall mal wohnen. ich meine deutschland ist sooo doof und langweilig, aber amerika - das ist doch schon was!' nun muss ich sagen 'mein restliches leben hier verbringen? nein danke' (und bitte versteht mich nicht falsch und nehmt meinen beitrag hier als einen 'hier ist alles scheisse ich will nach hause' text - ich wuerde nur gerne einmal meine erfahrungen und die schluesse die ich daraus gezogen habe mit euch teilen, um zu schauen, ob es vielleicht mehreren so geht.) ich geniesse die zeit hier total und bin wirklich traurig, wenn ich dann in 30 tagen am flughafen stehe, aber nachdem nach so ungefaehr 2-3 monaten dieses 'oha wie cool' gefuehl vorbei ist muss ich auch sagen, dass mir ueberwiegend dinge auffallen, die nun doch nicht so toll sind. ich denke, dass man vorallem durch die medien ein falsches bild von den usa bekommt. denn es ist wirklich nicht alles nur gross und toll. und wenn ich jetzt einige dinge mit deutschland vergleiche muss ich sagen, dass ich schon echt froh und dankbar bin in so einem tollen land zu leben. nur um einige beispiele zu nennen: alles ist total spread out (mir faellt kein deutsches vergleichbares wort ein) und es gibt keine oeffentlichen transportmoeglichkeiten. ich merke jetzt erst wie toll ich es finde, dass ich in meiner heimatstadt einfach nur 2 minuten mit dem fahrrad zum naechsten supermarkt fahren muss, wenn ich mir eine zeitschrift kaufen moechte oder meine mama beim kochen festellt, dass wir keine eier mehr haben. hier ist das ganz anders, denn man muss ersteinmal 10 minuten mit dem auto zu super-target fahren (ich lebe nicht in einem abgelegen dorf, sondern 30 minuten von minneapolis entfernt) um dann weiterre 10 minuten durch das monstroese ding zu laufen und die eier zu finden. und ich muss sagen, dass mir 'kleinere' supermaerkte in deutschland schon echt fehlen.
im allgemeinen fehlt es mir irgendwohin zu laufen oder zu radeln.
auch ist mir aufgefallen, dass ich persoenlich diese 'amerikanische freundlichkeit' nicht mag, denn die ist, wie ich fuehle, gespielt. ein freund hat mir erzaehlt, dass amerikaner von detschen den eindruck haben, dass wir unfreundlich und kalt sind. nun ich habe festgestellt, dass man bei deutschen einfach weiss woran man ist. hier ist einfach jeder oberflaechlich freundlich zu dir, fragt dich, wie es dir geht, aber ist nicht wirklich interessiert. in deutschland weisst du, dass die leute die freundlich sind, auch wirklich an dir interessiert sind und die anderen sind halt 'normal', was aber auch nicht schlimm ist.
als letzten punkt, denn ich moechte ja nun keinen roman verfassen, moechte ich noch sagen, dass ich deutschland alles in allem familiaerer finde, eben weil nicht alles in xxl verpackungen verkauft wird, man eher weiss wie die leute draufsind und weil ein 'kleinstadtfeeling' eben doch gar nicht so schlecht ist.
und damit ist meine 'ode an deutschland' beendet. Ich wuerde gerne noch kurz betonen, dass ich nicht alles schlechtmachen will und dankbar fuer jede einzelne erfahrung bin, die ich hier sammeln konnte und ich allen zukuentigen ats wuensche, dass sie ihre ganz eigenen experiences machen und ihre eigenen schluesse aus dem ganzen ziehen!

liebe gruesse

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vom 1.1.2012 21:11
S. B.

Danke!

Hey,

ich finde es echt toll, dass du so einen Text geschrieben hast. Ich denke er öffnet uns Zukünftigen die Augen, dass wir nicht zu hohe Erwarrtungen haben sollen und auch unsere Heimat nicht schlecht reden sollen. Schließlich wird man, wie im oberen Text gesagt, nicht so frei wie in Deutschland sein und einfach mit dem Fahrrad durch die Gegend fahren dürfen.

Trotzde freue ich mich auf mein Jahr im Ausland und hofffe auf eine schöne Zeit!

Situation

Es ist sehr interessant, wie unterschiedlich Menschen das empfinden.
Ich habe schon von vielen Leuten gehört, dass sie in ihrem Auslandsjahr gemerkt haben, wie sehr sie ihr Leben in Deutschland schätzen. Bei mir war es eher andersrum.
Ich dachte früher immer, dass es mir furchtbar schwerfallen würde, mehrere Monate aus Deutschland und von meiner Familie weg zu sein und ich sehr viel Heimweh haben würde. Aber letztendlich war es ganz anders. Klar habe ich meine Familie manchmal und Deutschland in mancherlei Hinsicht vermisst, aber ich habe es nie so empfunden, dass ich froh war, in Deutschland und nicht in Neuseeland zu leben. Ich habe die Kultur, den Alltag und die wunderschöne Landschaft sehr zu schätzen gelernt, viele großartige Menschen kennengerlernt und einfach die ganze Situation sehr, sehr genossen. Der Abschied ist mir wahnsinnig schwergefallen und ich denke noch immer täglich an meine Zeit in Neuseeland und bin immer noch sehr traurig, dass mein halbes Jahr in Neuseeland vorbei ist.
Das heißt aber nicht, dass ich Deutschland nicht mag. Ich mag Neuseeland ganz genauso gern wie Deutschland. Natürlich finde ich in Neuseeland nicht alles toll, genauso wenig, wie ich in Deutschland alles toll finde. In beiden Ländern gibt es Dinge, die ich mag, und Dinge, die ich nicht so mag.
Im Moment könnte ich mir nicht vorstellen, nach Neuseeland auszuwandern, weil ich eben das deutsche Leben auch sehr gerne mag. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, später nochmal für ein halbes oder ganzes Jahr in Neuseeland zu leben. Und ich würde es auch nicht komplett ausschließen, dass ich vielleicht doch später einmal nach Neuseeland auswandere.

Allen zukünftigen Weltenbummlern: Seid gespannt, wie es bei euch sein wird ! Jeder erlebt es ganz unterschiedlich. Smily

Dito!

auf jeden fall!!! nur mit dem unterschied das ich noch 5 monate bleiben muss... ist nicht so schlimm aber im mom hab ich heimweh und vermisse meine freunde so sehr.. iwie hab ich aber auch das gefuehl das dieses letzte halbe jahr hammer schnell vergehen wird... vorallem wenn man dann schon im maerz ist oder so :D und dann faengt auch endlich lacrosse season an und dann noch prom und graduation darauf freu ich mich besonders! :)

ausserdem habe ich in amerika gemerkt wie wichtig mir meine freunde in deutschland sind und das eine gute freundschaft schon einiges wert ist... in amerika habe ich immer das gefuehl das nicht nur ich als exchange student keine "richtigen" (also wirklich freunden denen man alles anvertrauen kann) freunde habe sondern auch das amis ihre echt total oft wechseln und durch das kurssystem immer neue beste freunde haben :(

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