vom 7.1.2012 01:16
C. M.

Ich traue mich nicht, den Austausch abzubrechen

seit vier monaten lebe ich jetzt hier in spanien und habe seitdem auch das gefühl, zur falschen zeit am falschem ort zu sein! als ich die entscheidung gefällt habe, einen austausch zu machen, habe ich gar nicht wirklich drüber nachgedacht, wahrscheinlich wollte ich einfach nur ein wenig farbe in mein damals noch so eintöniges leben bringen. bedauerlicherweise habe ich den vertrag schon ein jahr vor beginn des austausches unterschrieben, zu der zeit konnte ich natürlich nichts ahnen von dem besten jahr meines lebens, welches ich 2011 erlebt habe, wissen. ich hatte einen freund, änderte meinen freundeskreis vollkommen und mir blieb einfach nichts zu wünschen übrig, so war jedenfalls mein gefühl.
der austausch allerdings hat alles verdorben. ich sah ihn an als eine last, oder ein unangenehmes ereignis am ende eines wundervollen unvergesslichen sommers. am meisten angst habe ich vor der charakterlichen veränderung meiner freunde und darum, zu viel zu verpassen...

nach den ersten beiden monaten in spanien habe ich meine gastfamilie wechseln müssen, da ich keineswegs in die familie integriert wurde, sondern stattdessen als deutschlehrerin und babysitterin meiner kleinen gastgeschwister benutzt wurde. es war wie ein job für mich, und so hätte mein auslandsjahr nicht meinen damaligen vorstellungen entsprochen. nach dem wechsel ging es mir, was meine gastfamilie angeht deutlich besser. sie haben haustiere, einen garten, kinder ungefähr in meinem alter und die passende laune und freundlichkeit. trotzdem komme ich gedanklich einfach nicht von berlin und meinen freunden los. ich könnte natürlich versuchen, mich davon zu befreien, die sache ist nur, dass ich nicht weiß, ob ich es überhaupt will. denn nur wenn ich bei ihnen bin geht es mir gut und sobald ich mich nur auf mein leben hier konzentriere, habe ich das gefühl, depressiv und traurig zu werden. mich hier mit leuten zu verabreden macht keinen spaß, ich verbringe meine freizeit mit facebook. ich habs auch mit regelmäßigen sachen wie sport versucht, aber mein spaß am austausch kommt einfach nicht hervor.ich weiß dass ich da selber dran schuld bin, deswegen traue ich mich auch nicht, meiner familie ernsthaft gegenüberzustehen und ihr zu sagen, dass ich nicht mehr kann. ich habe die ganze zeit ein komisches gefühl im bauch und könnte ständig anfangen zu weinen.
allein über den gedanken darüber abzubrechen, kriege ich ein schlechtes gewissen. meine ganze familie hat geld dazugegeben und es würde mir so leidtun, das ganze so undankbar abzubrechen.
wenn es nach mir ginge, würde ich nach 6 monaten gerne abbrechen. also 3 monate früher als geplant. alle mit denen ich darüber rede halten das für das richtige, sich eine frist zu setzen und wenn es bis dahin nicht besser ist, sollte ich gehen.
ich habe mir meine frist eben bis nach 6 monaten gesetzt. das wäre im märz.
was haltet ihr für das beste?

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Einsatz zeigen?!

Okay, ich werde jetzt sagen, was ich denke. Ohne Rücksicht. Also fühl dich bitte nicht persönlich angegriffen! Aber nimm dir zu Herzen was ich schreiben werde.

Du WILLST dich nicht gedanklich von deinen Freunden in Deutschland lösen, du WILLST nichts mit den Leuten in Spanien unternehemn, du WILLST lieber in deinem Zimmer hocken und bei facebook sein, du hast überhaupt kein Interesse daran, dich auf Spanien einzulassen. Kein Wunder, dass du nicht glücklich bist!

Denk nochmal nach, du hast dich, als du den Vertrag unterschrieben hast, doch gefreut, du hast dir Sachen vorgestellt, wie dein ATJ werden soll. Willst du diese Träume nicht verwirklichen?

Klar, du hast deine Freunde in DTL zurückgelassen, aber wahre Freunde bleiben deine Freunde, auch wenn du weit weg bist. Und auf falsche Freunde kann jeder verzichten, um die ist es auch nicht schade, wenn man sie 'verliert'. Und du hast die einmalige Chance in Spanien NEUE Freunde kennenzulernen! Fürs Leben!

Aber wenn du dich nicht darauf einlassen willst, dann ist es logisch, dass dein ATJ in die Hosen geht. Ich würde auch nicht mit jemandem befreundet sein, der mir zeigt, dass es langweilig ist sich mit mir zu treffen, der immer eine miese Laune hat, der mir zeigt, dass es in seinem Land ja viel besser ist. Ich finde es nicht erstrebenswert mich mit solchen Leuten zu treffen, mir Mühe zu geben. Und wenn du jetzt nichts tust, ja, dann wird sich nichts ändern, du wirst abbrechen ohne irgendwas in deinem ATJ erreicht zu haben.

So wie ich das verstehe gibt es noch, nach 5 Monaten dort, Leute, die sich für dich interessieren, die was mit dir unternehmen wollen. Also, krieg deinen Arsch hoch, löse dich von deinem Leben in DTL und mach was mit den Leuten in Spanien! Du lebst jetzt dort und nicht in DTL. Die Leute in Spanien werden sich nicht mehr lange um dich bemühen und dann hast du eh keine wirkliche Chance mehr.

Entweder fängst du jetzt mal an dich aus deiner Blase zu schälen oder du wirst nichts erreichen in deinem ATJ, was du ja eh abbrechen wirst, wenn du jetzt nichts tust.

Du musst wissen, was du willst

Für mich selbst halte ich wenig davon, eine bestimmte „Frist“ zu setzen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das für manche Leute sinnvoll sein kann und es sie motivieren kann, nochmal so richtig zu versuchen, ihre Situation positiv zu verändern, mit dem Gedanken, dass sie, wenn es nicht klappt, schlimmstenfalls abbrechen können.

„der austausch allerdings hat alles verdorben. ich sah ihn an als eine last, oder ein unangenehmes ereignis am ende eines wundervollen unvergesslichen sommers“

Allein dieser Satz zeigt, dass du jedoch schon mit deinem Austauschjahr abgeschlossen hattest, bevor du überhaupt losgeflogen bist.

Ich finde, die wichtigste Voraussetzung überhaupt ist die persönliche Motivation, sich auf ein Land einlassen zu wollen. Die Lust zu verspüren, in eine fremde Kultur einzutauchen, alles kennenlernen und entdecken zu wollen, viel Kontakt zu den Einheimischen zu suchen Bekanntschaften zu machen, sich in den Alltag zu integrieren und sich ein „zweites Leben“ aufzubauen. Ohne diese Motivation muss ein Auslandsjahr beinahe zwangsläufig scheitern !

Eigentlich rate ich immer, zum Auffrischen der Motivation sich seine Gründe für das Auslandsjahr nochmal klarzumachen, sich zu überlegen, was man alles schon Schönes erlebt hat, was man zu Hause nie erlebt hätte, und sich zu überlegen, was man in der restlichen Zeit noch alles tun könnte und auf was man sich noch freuen kann.
Aber du scheinst nie die Motivation gehabt zu haben, dich auf ein Austauschjahr in Spanien einzulassen ? Wenn du den ganzen Tag zu Hause hockst und in Facebook bist, hast du vermutlich auch noch nicht viel Nennenswertes erlebt und hast offenbar auch keinerlei Ideen und Pläne, in deiner restichen Zeit etwas Nennenswertes zu erleben. Du schreibst, dass du selbst nicht weißt, was dich überhaupt zu einem Austauschjahr getrieben hat, und dass du nur „Farbe in deinen grauen Alltag“ bringen wolltest. Das ist sicherlich nicht die richtige Motivation für ein Auslandsjahr ! In diesem Fall hätte ich dir geraten, dich darum zu kümmern, dass dein Leben in Deutschland für dich bunter und lebenswerter wird – und das ist dein Leben ja im vergangenen Sommer auch geworden. Folglich ist deine offenbar einzige Motivation nun auch weg ?

Ich reise sehr gerne und viel und hatte jahrelang den Traum, ein halbes Jahr in Neuseeland zu verbringen. Natürlich hatte ich vorher auch ein bisschen Angst, was wohl auf mich zukommen wird und ob ich klarkommen werde, aber ich habe mich super darauf gefreut und war überglücklich, als ich endlich dort war. Klar habe ich manchmal meine Familie und Freunde und generell Dinge aus Deutschland vermisst und natürlich habe ich viele Dinge verpasst und es war auch bei weitem nicht alles „perfekt“ in Neuseeland. Aber die unvergesslichen Erlebnisse und Erfahrungen, die ich gemacht habe, und die vielen großartigen Menschen, die ich kennengelernt habe, und die persönliche Entwicklung, die ich durchgemacht habe, waren es für mich definitiv wert.

Natürlich ist es aber nicht Jedermanns Sache, ins Ausland zu gehen. Manche fühlen sich zu Hause in Deutschland eben am wohlsten. Da ist ja auch nichts falsch dran. Bloß sollte man sich das vorher ganz genau überlegen, bevor man ein Auslandsjahr macht ? Natürlich weiß man vorher nicht, ob man klarkommt im Ausland, aber man sollte auf jeden Fall große Lust darauf haben.

„ich könnte natürlich versuchen, mich davon zu befreien, die sache ist nur, dass ich nicht weiß, ob ich es überhaupt will“

Du musst schon selbst wissen, ob du etwas an deiner Situation ändern willst oder nicht ! Wie Anna schon gesagt hat, hängt es von dir selbst ab, wie sich deine Situation entwickelt kann. Frag dich selbst, wieso du ein Austauschjahr machen wolltest, und dann entscheide, was du tun willst.
Wenn du die einmalige Chance wahrnehmen willst, eine fremde Kultur hautnah kennenzulernen, dann beweg dich endlich weg vom Computer und mach das Beste aus deinem Austauschjahr. Erkunde den Ort, in dem du lebst, zeig Interesse an den Menschen um dich herum und ihrer Lebensweise, nutze jeden Tag, um etwas Neues kennenlernen !
Oder lass es bleiben und brich dein Jahr ab. In dem Fall brauchst du dir eigentlich gar keine Frist zu setzen. Wenn du dich einfach nicht für Spanien interessieren kannst oder willst, macht es meiner Meinung nach kaum einen Unterschied, ob du morgen oder erst im März abbrichst.

vom 10.1.2012 16:39
A. L.

Ich kenne das nur zu gut !

Also dein Situation ist genau die gleich von mir .. ich musste auch die Gastfamilie wechseln nach 2 Monaten und meine neue Familie ist auch super lieb aber ich komme einfach nicht weg von Heimweh und im Grunde finde ich auch keine wirklichen Freunde. Ich versuche mich echt abzulenken aber wenn es nach mir gehen würde .. würde ich im Februar nach Hause fahren . Das wäre zwar ein halbes Jahr kürzer aber ich bin schon jetzt mit den Nerven völlig am Ende ! Wo genau bist du denn in Spanien ?
Ich würde mich echt gerne mal mit dir darüber unterhalten .
Schreib mir doch wenn du Lust hast !
Liebe grüße

Diskussionsübersicht
7.1.2012
C. M.
Ich traue mich nicht, den Austausch abzubrechen
7.1.2012
Anna S. Kanada 2011/12
7.1.2012
C. M.
8.1.2012
Anna S. Kanada 2011/12
8.1.2012
11.1.2012
Luisa C. USA Stepin 2011/12
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