vom 11.1.2019 12:52
J. L.

Massive Probleme mit mir selbst und Nahestehenden

Hallo erstmal,

bin 17 Jahre alt und seit mittlerweile 4 Monaten in Frankreich (4/10). Um ganz vorne anzusetzen, die generelle Idee kam nicht von mir, sondern von meinen Eltern, genauso wie der Wille, das Ganze umzusetzen. Ich habe mich also da mitziehen lassen sozusagen. Habe mir immer extrem viele Gedanken darüber gemacht, was meine Eltern über mich denken und da mein Vater in seiner Jugend ein Jahr mit der selben Orga absolviert hat, wollte ich ihn nicht enntäuschen, dieser Gedanken hat mich die ganzen Monaten vor meiner Abreise verfolgt und ich habe null auf meine Bedürfnisse geachtet. (Nach einem sehr zufriedenstellenden Realschulabschluss einen guten übergang auf ein Gymnasium zu schaffen, wenn es geht, am besten mit guten Freunden) Das fiel natürlich zwangsweise ins Wasser. Ich war mir die ganze Zeit total unschlüssig (ein Alarmsignal, wie ich feststellen musst), hab dann aber eben im letzten Moment eben die entscheidung getroffen, ich gehe ins Ausland. Ich habe meine Bedürfnisse und meinen Willen überhauptnicht mehr beachtet, ab dem Zeitpunkt zählte nurnoch, mach sie alle stolz, denn natürlich hat die Nachricht sofort ihre Runde gemacht und Freunde und Verwandte erfuhren es alle und ich bekam Mut zugesprochen ohne Ende, mein Selbstwertgefühl sank immmer stärker und schließlich habe ich gar nichts mehr gesagt. Meine Ankunft in Frankreich war sehr herzlich, meine Gastfamilie ist sehr freundlich, doch auch sie merkten sehr schnell, wie unfassbar schlecht es mir ging. Um mal aus meiner Perspektive zu erzählen, es zieht jeder Tag einfach nur so vorbei, ich sehe alle grau und telefoniere Täglich mit meiner Freundin, die ich über alles Liebe und nicht verlieren will wegen dieser Distanz. Habe schon mit jemandem von der Orga gesprochen in einem persönlichen Gespräch, allerdings wurde ich nicht ernstgenommen, das ich psychische Probleme habe und seit vielen Wochen in einer depression stecke, interessierte sie nicht, sie meinte, ich soll einfach extrovertierter werden. Die Orga regt sich nämlich zudem darüber auf, dass ich zu verschlossen bin und wenig mit Freundin hier unternehme, durch frühere Kindheitstraumata fällt es mir aber leider schwer, Menschen nach 4 Monaten als meine Freunde anzusehen, so bin ich nunmal und ich kann mich nicht so einfach charakterlich ändern, in der Schule hier werde ich zwar akzeptiert, aber keiner hat wirklich Interessse daran, etwas mit mir zu unternehmen außerhalb der Schule. Alle sind darüber informiert und meine Eltern predigen mir immer, sie stehen hinter mir, aber ich weis genau, sie wären enttäuscht von mir, wie alle anderen, die davon wissen, ich würde mir über woche und monate immer die frage nach dem wieso anhören müssen. Die andere Option, ich bekomme hier weiterhin Pannikzustände, Essattacken, Schlafmangel und winde mich immer mehr rein in die Depression, die keiner ernst nimmt. Manche sagen mir, ich soll abbrechen, manche sagen mir, ich soll bleiben und wieder andere sagen mir, ich soll das tun, was ich für richtig halte, aber mein Herz und mein Kopf sind nicht einer Ansicht, mir geht es von Tag zu Tag schlimmer, ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll. Der Stress durch die Schule (8-17 Uhr täglich, um 6 Uhr aufstehen) macht das ganze Schlimmer und enge Freunde, zu denen ich im Kontakt stehe, fragen mich, wo meine Lebensfrohe Art geblieben ist und wollen mich zurück, wie ich vor 4 Monaten war, ich verändere mich, aber nicht zum Guten. Gibt es Ratschläge oder ähnliche Erfahrungen?

Auf diesen Beitrag gibt es eine Antwort:
vom 11.1.2019 14:42
A. H.

Jemanden finden, der dich ernst nimmt

Ich habe selbst noch keinen Austausch gemacht, sondern gehe erst im Sommer ins Ausland. Auch habe ich selbst nicht längere Zeit im Ausland gelebt und weiß somit nicht wie das ist. Was ich aber kenne, ist eine Phase in der es einem persönlich sehr schlecht geht. Ich hatte vor ein paar Jahren ähnliche Probleme, sprich Schlafstörungen und meine Wahrnehmung von allem war "gestört". Ich habe es selbst nicht gemerkt und wurde schließlich von einem meiner Lehrer aus dem Unterricht geholt. Anschließend war ich eine Woche Zuhause um runterzukommen, mich zu normalisieren. Das hat mir sehr geholfen. Bei mir war Mobbing auch ein Thema. Nach einer Zeit war ich wieder bei mir. Ich musste damals lernen zu akzeptieren, dass es mir schlecht ging.

Erstmal zu deinem Charakter. Ich selbst bin auch eher schüchtern, introvertiert und manchmal unsicher. Ich brauche auch Jahre um mit Leuten richtig warm zu werden und sie als Freunde anzusehen. Das ist vollkommen okay. Versuch nicht dich zu verändern! Was man aber schon machen kann, ist versuchen seine Schüchternheit/Unsicherheit zu überwinden und auch mal auch Leute zu zugehen. Man muss das aber nicht. Das ist denke ich für dich im Moment auch kein Thema.

Ich glaube es würde dir helfen, wenn du jemanden in Frankreich findest, der dich ernst nimmt, versteht und dir hilft. Ich weiß nicht, wie das in Frankreich ist, aber in DE gibt es eine sogenannte "Familien- und Erziehungsberatungstelle". Das ist eine psychologische Beratung. Wenn es sowas in Frankreich gibt, kannst du da einfach mal hingehen und über alles reden. Das ist keine Therapie und somit kostenlos! Ansonsten vielleicht ein Lehrer, dem du vertraust. Ich denke, es ist besser, wenn du jemanden findest, der auch in Frankreich und nicht in DE ist.
Dir würde es bestimmt auch helfen, für eine Zeit den Druck rauszunehmen und dich für die Schule krankschreiben zu lassen. Dafür müsstest du aber wahrscheinlich zum Arzt gehen und deine Gastfamilie überzeugen.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen.

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J. L.
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