vom 20.1.2009 17:46
A. B.

Lotteriespiel Schüleraustausch

Ich bin Mutter von 4 Kindern und mache nun schon das zweite Mal negative Erfahrungen mit dem Schüleraustausch. Unser Sohn war 2003 mit GLS Berlin in Japan- es war eine einzige Katastrophe. Er wurde völlig unzureichend auf die Kultur vorbereitet, er hatte keinen Betreuer vor Ort, die Gastfamilie hat ihn nach einem Monat vor die Tür gesetzt. (Die Gründe kennen wir bis heute nicht) Er war dann zwar bei einem Mitarbeiter der Organisation untergebracht, aber der wohnte 200 km entfernt, so dass er nicht mehr zur Schule gehen konnte. Wir haben dann nach 3 Monaten Horror und diversem Schriftverkehr den Vertrag gekündigt und ihn nach Hause geholt. GLS war nicht bereit, auch nur 1 Cent zu erstatten, so dass wir einen Prozeß vor dem Landgericht Berlin führen mußten: Ergebnis: Wir haben fast den gesamten Reisepreis einschließlich Flugkosten zurück erhalten. Die Richterin war entsetzt, wie verantwortungslos hier mit einem Minderjährigen umgegangen wurde. Danach sollte man meinen, waren wir geheilt. Leider haben wir einen 2. Versuch gemacht, da unsere Tochter unbedingt nach Spanien wollte. Spanien - was soll da schon passieren? Weit gefehlt. Derzeit stehen wir wieder kurz vor einer Vertragskündigung. Von der Organisation - opendoor international Köln- hatten wir zunächst einen sehr guten Eindruck und die Mitarbeiter bemühen sich wirklich. Aber bei der Partnerorganisation vor Ort ist der Wurm drin. Unsere Tochter kamnach Valencia (wir haben extra mehr bezahlt für eine Regionwahl) Die Familie machte zunächst einen sehr netten Eindruck und sie fühlte sich dort auch wohl. Dann hat sich aber der Gastvater in unsere Tochter verguckt. Es gab zwar keine sexuellen Übergriffe, aber er fing an, ihr seine Eheprobleme zu erzählen und machte ihr ständig Komplimente. Die Situation eskalierte in einem heftigen Ehestreit, am Ende ging die 23jährige! Gastschwester prügelnd auf unsere Tochter los, weil sie meinte, die sei an allem schuld. Unsere Tochter wurde dann eine Zeitlang bei einer Betreuerin untergebracht (hier wurde eigentlich sehr schnell reagiert) und kam dann zu einer neuen Familie. Leider sagte ihr keiner, dass dies nur vorübergehend sei. Bei der neuen Familie war sie richtig glücklich, so dass wir dachten, o.k. jetzt wird alles gut. Aber diese Familie hatte sich nur als "Notaufnahme" zur Verfügung gestellt, die hatten eigentlich nie vor, eine Gastschülerin für längere Zeit aufzunehmen. Aber die Organisation meinte wahrscheinlich, das aussitzen zu können. Irgendwann fühlte sich die Familie mißbraucht und erklärte unserer Tochter die Situation. Was das für eine 16jährige bedeutet, kann man sich wohl vorstellen. Wir haben dann sehr massiv darauf gedrungen, das nun eine dauerhafte Lösung gefunden wird. Vor einer Woche kam dann das nächste Problem. Unsere Tochter bekam Zahnschmerzen. Die zwangsverpflichtete Gastmutter ging mit ihr zum Zahnarzt, es stellte sich heraus, dass eine komplizierte Wurzelbehandlung nötig ist. Die Betreuerin kümmerte sich weder um den Kostenvoranschlag, noch um die Einverständniserklärung der Eltern, die der Zahnarzt haben wollte. Eigentlich wurde alles auf die Familie abgewälzt. Wir haben von hier aus versucht, telefonisch alles zu regeln- mittlerweile haben wir horrende Telefonkosten, hinzu kommt die Sprachbarriere. Nun soll die Behandlung erst in einer Woche beginnen - bis dahin ist unsere Tochter mit Schmerzmitteln zugedröhnt! In dieser Situation wird ihr nun von der Betreuerin eröffnet, dass sie in 2! Tagen zu einer neuen Familie umzieht. Wer sich dann um die Zahnarztbehandlung kümmert, ist offenbar Nebensache. Hauptsache sie ist irgendwo unter! Wir haben nun eine offizielle Mängelanzeige schriftlich verfaßt und Abhilfe verlangt. Mal sehn was passiert. Wenn das Problem nicht zu unserer Zufriedenheit gelöst wird, werden wir wohl wieder kündigen und wohl auch klagen müssen. Mittlerweile haben wir darin ja Übung.
Fazit: Wir können eigentlich nur allen Eltern raten, sich ganz klar darüber zu sein, dass ein Auslandsaufenthalt nichts anderes als Glücksspiel ist. Die Organisationen sind Wirtschaftsunternehmen, die in erster Linie gewinnorientiert arbeiten - die einen mehr, die anderen weniger. Es geht darum Reisen zu verkaufen. Alles steht und fällt mit der Gastfamilie vor Ort. Hat das Kind mit dieser Familie Glück, dann ist der Auslandsaufenthalt eine rundum tolle Sache und einzigartige Erfahrung. Klappt es nicht (die Chancen stehen 50:50) haben die Organisationen vor Ort keinerlei Plan B. Dann geht es nur noch darum, den Vertrag zu retten und den Schüler irgendwie wohnraummäßig zu versorgen. Und dann kann es zu einem fliegenden Wechsel kommen, wie bei uns - der 3. Wechsel in 4 Monaten! Unsere Tochter hat noch insofern Glück, dass sie sich in ihrer Schule sehr wohl fühlt und viele Freunde hat. Aber dass nicht mal die notwendige medizinische Versorgung sichergestellt wird, hätten wir nicht für möglich gehalten. Also, überlegen Sie gut, wem Sie Ihr Kind anvertrauen. Es kann gut gehen, aber es kann auch so ziemlich alles schief gehen. Die bunten Prospekte verraten davon nichts! Wenn Sie sich dennoch dafür entscheiden, hinterfragen Sie sehr detailliert und sehr kritisch das Krisenmanagement. Wenn Sie da keine zufriedenstellende Antwort erhalten: Finger weg!

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Klage gegen into

Hallo,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Evtl. hatte ich mich nicht deutlich ausgedrückt, aber unsere Tochter ist bereits in den USA. Ich teile Ihre Ansichten zu 100 %. Das ganze Austauschjahr steht und fällt mit der Gastfamilie. Wir haben selbst erlebt, dass der sog. Plan B völlig fehlt. Da scheinen die Organisationen alle gleich zu sein. Unsere Tochter saß in der Zwischenzeit mehrere Tage alleine im Haus ihrer 21 (!) jährigen Gastmutter, in dem zudem das Wasser abgestellt wurde. Sie hatte also keinerlei fließendes Wasser, während die Gastmutter dann mal eben zu Freunden umzog. Klasse, oder? Parallel dazu bekamen wir von der Organisation (into) ein Schreiben, wir sollen (wörtlich) "dankbar" sein und unser übersteigertes Konsumdenken zurückschrauben, da hier eine junge Frau unsere Tochter "durchfüttere". Eine Gastfamilie sei kein Hotel! Ich finde, das ist eine derartige Unverschämtheit, zumal ich schon bei der Organisation im September angerufen und mitgeteilt habe, dass die Gastmutter über keinerlei Mittel verfügt, weder für Essen noch Getränke etc pp sorgen kann und dies von unserer Tochter komplett selbst übernommen werden muss. Auch die Partnerorganisation in den USA hat unserer Tochter mitgeteilt, es gäbe keinerlei Grund zu wechseln, das sei alles normal und sie solle gefälligst aufhören, ständig mit ihren Eltern zu telefonieren und ihnen "Geschichten" zu erzählen. Mittlerweile hat unsere Tochter auf eigene Faust die Familie gewechselt. Das war am 09.01.2009. Bis heute haben wir von der Organisation noch keinen Satz dazu gehört. Wir werden auf jeden Fall klagen und ich freue mich zu hören, dass ihre Klage ja Erfolg hatte. Wir überlegen nur noch, welcher der richtige Zeitpunkt ist. Ob jetzt schon oder erst, wenn unsere Tochter wieder zurück ist. Neben den oben beschriebenen Vorfällen sind uns eine ganze Menge anderer netter Geschichten passiert, die uns viel Tränen, Zeit und Geld gekostet haben. Ich sehe die Sache mittlerweile so: Wir haben unseren Teil des Vertrages mit into erfüllt. Alle Raten sind fristgerecht von uns gezahlt worden. Leider erfüllt into nicht ihren Teil des Vertrages. Immerhin sind die Organisationen für die Unversehrtheit von Minderjährigen verantwortlich. Wenn ich für 10.000,- € ein Auto kaufe und stelle nach 500 m fest, dass es nicht fährt, wird mir der Verkäufer wohl kaum sagen, ich solle aber doch bitte dankbar sein, dass er mir den Schrotthaufen verkauft hat. In diesem Sinne. Hat mir jedenfalls nochmals Mut gemacht, den Klageweg tatsächlich zu gehen.
L.G.
Christiane

vom 28.3.2009 18:21
I. W.

Genau so ist es!

Hallo!

Ich sehe das genauso: Ein Austauschjahr hat wirklich was von einer Lotterie. 50% haben ein gutes Jahr, 50% ein Jahr, das sie aus anderen Gründen nicht vergessen werden.
Unsere Tochter ist mit EF in den USA. Auch sie hatte anfangs massive Probleme, weil EF seine Verpflichtung, die Gastfamilie zu überprüfen, nicht eingehalten hat. Davon liest man überall, man könnte meinen, das sei die Regel.
Viele Austauschorganisationen sehen scheinbar wirklich nur den Profit, alles andere ist nebensächlich, nach dem Motto, "wird schon klappen und wenn nicht, sitzen wir es aus".
Am schlimmsten finden wir, dass die Orga zuhause gute Arbeit (Vorbereitung ect.) leistet, aber im Gastland über absolut untaugliches Personal verfügt, dem scheinbar nicht bewusst (oder egal) ist, was für eine Verantwortung sie übernehmen.

Einen ausführlichen Bericht über alles Geschehene werden wir erst nach Rückkehr unserer Tochter, mit ihr zusammen, veröffentlichen.

Ihr geht es jetzt soweit gut in ihrer jetzigen Gastfamilie, nur eben die Kontakte mit den Mitarbeitern vor Ort gestalten sich oft schwierig, denn die haben nichts besseres zu tun, als den Schülern teure Reisen aufzuschwatzen und nicht die Leistungen eines Verantwortlichen zu erbringen.
Beispiel: Unsere Tochter buchte eine Städtereise (eine Großstadt) bei einem der EF-Betreuer. Am Reisetag dann selbt, wurden die Jugendlichen mit einem Bus in die besagte Stadt gebracht und dort sich allein überlassen. Man sagte ihnen, nach 7 (!!) Stunden sollten sie wieder am Platz sein und das bei völliger Unkenntnis der örtlichen Gegebenheiten und -10°C. Die Schüler sind minderjährig und kennen die Stadt nicht - was hätte alles passieren können! Die EF-Mitarbeiterin verblieb im Bus und machte ihr eigenes Ding.

Was soll man dazu sagen??? Naja, alles weitere dann in ca. 2 Monaten.

Grüsse

vom 13.6.2011 12:51
B. F.

wir haben Probleme mit TASTE

und werden ebenso dagegen vorgehen. Zum Glück ist es bei uns gar nicht erst zur Abreise gekommen...denn was uns schon im Vorfeld widerfahren ist, war / ist unzumutbar genug. Wenigstens hatten wir mit der Orga unserer Tochter Glück; sie fuhr mit MAP.

vom 12.11.2018 12:26
A. I.

Auskunft über Anwalt

Hi,

wir befinden uns auch in der Situation und möchten den Anwalt anschalten. Können Sie uns bitte sagen wir die Kanzlei heißt?
Vielen Dank und LG
Adisa

vom 12.11.2018 12:30
A. I.

Kanzleiname/Auskunft über den Anwalt

Hi,

wir befinden uns in der Situation auch wo wir den Anwalt einschalten müssen. Könnten Sie uns die Kanzleiname nenenn die Ihnen geholfen hat?
Danke und LG
Adisa

Diskussionsübersicht
20.1.2009
A. B.
Lotteriespiel Schüleraustausch
25.1.2009
F. L.
7.3.2009
I. R.
15.3.2009
I. R.
20.3.2009
B. R.
20.3.2009
I. R.
29.12.2009
Viktoria U. Venezuela Rotary-DE 2009/10
29.1.2009
A. B.
7.3.2009
I. R.
28.3.2009
I. W.
12.11.2018
A. I.
6.1.2010
marie E. USA travelbee 2010/11
17.7.2009
N. P.
20.3.2009
I. R.
29.6.2010
C. O.
11.11.2009
M. S.
12.11.2009
Julia S. Neuseeland 2010/11
13.11.2009
Julia S. Neuseeland 2010/11
17.1.2010
K. F.
29.6.2010
C. O.
16.12.2016
D. V.
28.12.2016
H. W.
16.12.2016
D. V.
1.12.2018
V. A.
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