vom 2.11.2016 00:09

Immer alleine, Neustart?

Hallihallo,

ich bin bereits seit Mitte August hier in den USA und langsam kann ich die Probleme nicht länger verdrängen: Ich habe keine Freunde hier. Klar habe ich Leute mit denen ich mich gut verstehe und wenn ich mit ihnen zusammen bin bin ich auch glücklich aber es gibt niemanden der nach der Schule etwas mit mir unternimmt oder so.
Ich habe schon viele Leute gefragt, als Antwort kommt meistens ein "Ja klar!" und dann haben sie nie Zeit. Ich fahre jeden Tag nach Hause, sitze alleine in meinem Zimmer und warte bis meine Gastfamilie von der Arbeit heimkommt. Dann ist -vor allem meine Gastmutter meist schlecht gelaunt und will ihre Ruhe. Ich habe schon sehr viel probiert, bin in die Jugendkirche gegangen, habe versucht dem Schwimmteam beizutreten (was von meiner Schule aus bis Januar nicht möglich ist, genauso wie alle anderen Sportarten). Ich bis langsam echt am verzweifeln, ich bin sehr unglücklich. Ich habe schon so oft versucht etwas zu ändern aber nie hat es geklappt.

Ich weiss wirklich nicht mehr, was ich machen soll. Denkt ihr, ich sollte die Gastfamilie und Schule wechseln? Ich hätte im Moment sehr gerne einen Neustart. Mir geht es zwar gut, aber ich bin nicht glücklich. Und eines steht fest: so kann und will ich nicht mehr weitermachen.

Ich würde sehr gerne eure Meinungen und Ratschläge hören, vielen Dank schon mal im Voraus!

Auf diesen Beitrag gibt es eine Antwort:

Das geht nicht nur dir so

Hallo Leonie,
so geht es vielen, vielen anderen Austauschschülern auch. Die Instagram- und Facebookbilder entstehen halt nicht an den einsamen Tagen, sondern an den paar Gelegenheiten, wo mal was los ist. Dein Maßstab sollte also dein persönliches Gefühl sein, nicht der Vergleich mit anderen.

Was du mit dem "Ja klar" beschreibst sind unterschiedliche Vorstellungen von Verbindlichkeit, die ihr (hoffentlich) auch auf der VBT besprochen habt: Für Amerikaner ist erst das ausmachen eines konkreten Treffens verbindlich; es ist also normal, dass du erst dann die Absagen bekommst und nicht vorher.

Sprich mit deiner Familie, Schule, Jugendpfarrer und Area Rep. Niemand möchte, dass du ein einsames Leben fristest. Es ist natürlich schwer/komisch zu sagen, "So, die Leo ist einsam, ihr fünf seid jetzt deren Freunde", aber es hilft z.B. wenn die Schule sich dann mehr um dich kümmert/die Regeln zur Teilnahme lockert.

Deine Ansätze sind schonmal super gut - Jugendkirche und Sport. Mach das auf jeden Fall weiter (bzw. fang im Januar an)! Bei mir hat es auch lange (bis Weihnachten) gedauert bis ich Leute hatte, mit denen ich mich auch mal so getroffen habe. Und es tut weh, bis dahin für alle nur "the German kid" zu sein. Das wird mit einem Wechsel der Stadt nicht unbedingt einfacher.

Ich kann dir noch raten, mit den Leuten auch unverbindlichen Kontakt aufzubauen, also in Facebookgruppen zu gehen, und nicht scheu zu sein mal nachzufragen ob jemand heute noch nichts vor hat oder vorbeikommen will. Das kostet Überwindung und Beharrlichkeit, aber es zahlt sich irgendwann aus. Niemand blickt auf dich herab, weil du jetzt noch keine 120 Freunde gefunden hast.

Wenn das alles nix hilft, kannst du immernoch wechseln. Für manche Leute ist es einfach besser, eine Familie zu haben die mehr Zeit für einen hat.

Viele Grüße
Johannes

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Leo N. USA YFU-DE 2016/17
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