vom 21.9.2008 04:11
M. B.

Ich weiß nicht mehr weiter, würd mich sehr über Rat freuen...

Hallo!

Ich bin im Moment in Südamerika und komm hier überhaupt nicht klar. Ich kämpfe total mit Heimweh und vermisse meine Familie, meinen Freund und meine Freunde sehr. Mein größtes Problem ist aber vorallem, dass ich mich hier echt nicht wohlfühle...
Ecuador ist komplett anders als Deutschland und ich fühl mich teilweise wie in eine Gesellschaft vor 50 Jahren zurück versetzt. Das fängt bei der Armut die hier herrscht an und endet dabei wie Frauen behandelt werden. Ich bin aus Deutschland gewohnt von meinen Eltern wie eine Erwachsene behandelt zu werden und komme aus einer sehr offenen liberalen Familie. Hier ist man bis man von zu Hause auszieht ein Kind (und ausziehen darf man erst wenn man Heiratet) und dadurch, dass ich auch noch ein Mädchen bin hab ich eigentlich überhaupt keine Rechte.
Meine Gastfamilie ist total bemüht um mich, aber halt sehr konservativ und behandelt mich wie ein kleines Kind, das nichts weiß und erst Recht nicht in der Lage ist selbst auf sich aufzupassen. Ich darf hier so gut wie gar nichts! Vorallem mit meiner Gastmutter komm ich aus diesen Gründen gar nicht klar. Mein zweites Problem mit ihr ist, das sie südamerikanisch laut ist und alles besser weiß und ich echt schon fast Angst vor ihr hab. Ich kann aber die Familie in der ich bin auf jeden Fall nicht wechseln.
Und das ganze ist seit ich hier bin (einen Monat) nicht besser geworden sondern nur schlimmer! Ich bemerke immer mehr die Unterschiede und hab immer mehr das Gefühl hier nicht hinzugehören.
Das alles macht das Heimweh natürlich noch viel schlimmer und ich würd am liebsten sofort ins Flugzeug nach Hause steigen... Ich merk auch langsam wie sich das alles körperlich auf mich auswirkt. Ich hab total das Gefühl mit den Nerven Blank zu liegen, hab Albträume, plötzlich Tage lang keinen Appetit und dann wieder richtige Frustfressattaken und würd am liebsten mich einfach in meinem Bett verstecken und da bleiben.
Auf der anderen Seite hab ich aber da ein total schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber. Die haben hierfür schließlich nicht wenig Geld hingelegt. Und ich weiß von echt vielen Freunden, dass sie gerne ins Ausland wollen, es aber nicht können. Und ich bin jetzt hier und will jetzt am liebsten so schnell wie möglich nach Hause.
Ich versuch im Moment wirklich das Beste daraus zu machen und Dinge positiv zu sehen, Freundschaften zu schließen und alles, aber ich fühl mich hier einfach total fehl am Platz und das kann ich echt nicht ändern. Ich hab mir jetzt als Ziel gesetzt mindestens bis Weihnachten hier auszuhalten. Ich hätte aber selbst dann noch ein schlechtes Gefühl allen die mir das ermöglicht haben gegenüber nachhause zu kommen. Ich weiß aber einfach nicht wie ich das länger schaffen soll.

Kann mir jemand vielleicht einen Rat geben? Ich weiß echt nicht mehr weiter und das wäre wirklich lieb, wenn ihr versuchen könntet mir zu helfen!

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vom 21.9.2008 11:17
A. H.

Aber ...

ich meine, du hast dir doch ecuador selbst ausgesucht, oder nich? dann hast du dich doch sicherlich vorher informiert, wie die dinge da so laufen, und dass armut da nu mal herrscht, oder seh ich das falsch? .. wenn du probleme mit sowas hast (hätte ich auch xD) fahr doch da net hin oO

auf der anderen seite, ich verstehe dich, dass du durchhalten willst ... pass dich einfach an ... vor allem an die regeln deiner familie ... dann werden sie sehen, dass du interessiert bist, mit allen gut klarzukommen und sehen es vllt etwas lockerer ... auch das mit den freundschaften, das ist gut so ... je mehr freunde du hast, desto mehr bist du abgelenkt, lernst diese (etwas sehr) andere kultur kennen und damit umzugehen ...

natürlich geht das net von heute auf morgen ... aber mit der zeit funktionierts, wirst schon sehen Zwinker

ich wünsch dir ejdenfalls glück und das durchhaltevermögen (:

und gute besserung (:

vom 22.9.2008 20:27
M. B.

danke schonmal an euch beide

also mit der familie wechseln ist das alles ein bisschen kompliziert: ich bin mit rotary im ausland und eigentlich sehen die es sogar vor, dass man nicht nur eine sondern drei familien hat. das problem ist nur, das mein rotary club überhaupt keine erfahrung mit austauschschülern hat (ich bin die erste). die haben die tochter meiner gastfamilie weggeschickt unter der bedingung, das ich dann halt in die familie komme. als ich gefragt hab, ob ich den nicht wenigstens zwei familien haben könnte von wegen mehr einsicht in die kultur bladibla haben die mir schon gesagt, dass das nicht geht.
Das heißt wenn ich wechsel, dann geht das nur wenn ich wirklich sag, das es gar nicht anders geht. und da fängt dann das nächste problem an. ecuador ist nämlich eine ziemliche klassengesellschaft, in der jeder jeden kennt. und meine gasteltern haben nicht so viel geld und stehen würd ich sagen eine klasse unter den meisten mitgliedern von rotary. das ist mir zwar total egal, aber mein rotaryclub sieht das sozusagen als "ehre" für meine familie an beim rotary exchange program mit zumachen. deshalb ist meine mutter auch total hinterher, dass ich bloß schnell spanisch lern und gute noten hab und ne vorzeigeaustauschschülerin bin, weil ansonsten ja gesagt werden könnte, dass sie dran schuld hat, wenn ichs nicht bin. hier wird nämlich gut viel hinterm rücken geredet und gesellschaftliche stellung ist echt wichtig.
soo und jetz stellt euch mal vor, wie das rüberkommen würde, wenn ich die familie wechsel... selbst wenn ich das erklären würde und alles (was ich aber noch nicht ml könnte, weil ich mit dem spanisch hier immer noch nicht so richtig klarkomm) würde darüber echt schlecht geredet werden würd ich das tun. und das kann ich meiner gastfamilie wirklich nicht antun, weil die ja eigentlich echt super nett und bemüht sind. ich find ich bin auch echt zu ein wenig dankbarkeit denen gegenüber verpflichtet, immerhin haben sie mich aufgenommen und bezahlen mir sogar die schule und alles. es passt halt nur einfach so gar nicht zwischen meiner gastmutter und mir.

so und noch zweitens: es ist vollkommen richtig, dass man sich schon vorher überlegen sollte, ob das land in das man will zu einem passt und man einen so großen kulturschock einstecken kann. darüber hab ich auch wirklich nachgedacht und mir versucht das alles vorzustellen, aber ich hätte mir nie vorstellen können wie sich das wirklich anfühlt in so einem land zu leben. ich hab das ganz ehrlich einfach unterschätz.. tja und jetz bin ich hier und kanns nich mehr ändern...

a) oder b)

>>Ecuador ist komplett anders als Deutschland und ich fühl mich teilweise wie in eine Gesellschaft vor 50 Jahren zurück versetzt. Das fängt bei der Armut die hier herrscht an und endet dabei wie Frauen behandelt werden. Ich bin aus Deutschland gewohnt von meinen Eltern wie eine Erwachsene behandelt zu werden und komme aus einer sehr offenen liberalen Familie. Hier ist man bis man von zu Hause auszieht ein Kind (und ausziehen darf man erst wenn man Heiratet) und dadurch, dass ich auch noch ein Mädchen bin hab ich eigentlich überhaupt keine Rechte.

hast du dich vor deinem atj über ecuador informiert? ist doch klar, dass es riiiesige politische, kulturelle und sonstige unterschiede gibt. man kann ein land "wie" ecuador nunmal nicht mit deutschland vergleichen.

>>Meine Gastfamilie ist total bemüht um mich, aber halt sehr konservativ und behandelt mich wie ein kleines Kind, das nichts weiß und erst Recht nicht in der Lage ist selbst auf sich aufzupassen. Ich darf hier so gut wie gar nichts!

hast du mal probiert offen mit deiner familie in ecuador darüber zu sprechen? denn - ich sag mal - man muss sich zwar der kultur anpassen, aber man darf sich natürlich nicht komplett umkrempeln lassen.

>>Das alles macht das Heimweh natürlich noch viel schlimmer und ich würd am liebsten sofort ins Flugzeug nach Hause steigen...

mach's nicht. du würdest es bestimmt hinterher bereuen...

>>Auf der anderen Seite hab ich aber da ein total schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber. Die haben hierfür schließlich nicht wenig Geld hingelegt. Und ich weiß von echt vielen Freunden, dass sie gerne ins Ausland wollen, es aber nicht können. Und ich bin jetzt hier und will jetzt am liebsten so schnell wie möglich nach Hause.

ein ganz wichtiger aspekt. deswegen würde ich auch nicht so schnell aufgeben. du wolltest das atj, also bleib stark und versuche alle möglichkeiten zu nutzen, um es doch noch positiv wenden zu lassen ;)



melde dich doch mal bei deiner organisation (rotary). es muss ja eine möglichkeit geben, dich aus der familie rauszukriegen. klar wird es schwierig und ist natürlich auch ungünstig, da die tochter von deiner gastfamilie ja bei dir in d.land ist, aber wenn du denen sagst, dass es dir wirklich sehr schlecht geht (auch psychisch), wird es da sicherlich/hoffentlich eine möglichkeit geben.


ich wünsch dir alles gute in ecuador und hoffe, dass dein atj noch eine gute wendung nimmt.

halt durch, bleib stark & glaub weiterhin an dich. :)

liebe grüße

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21.9.2008
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8.10.2008
A. H.
8.10.2008
Michelle A. USA ODI 2009/10
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