vom 30.8.2018 04:02
L. S.

Gastfamilienwechsel?

Hey...

Ich stelle jetzt einfach mal meine Frage, weil ich meine Situation so noch nicht im Internet gefunden habe. Ich bin seit einem Monat in den USA bei meiner Gastfamilie. Darauf habe ich mich wirklich gefreut, den ganzen Flug lang war ich aufgeregt.
Zu meiner Familie: Wir haben fünf Hunde, ein Baby, zwei Gastbrüder, die jünger als ich sind, und natürlich Hostmum und Hostdad.
Nun, als ich dann am Fluhafen abgeholt wurde, war erstmal alles okay. Wir gingen Essen holen, was ich alleine in deren Haus gegessen habe, weil ein Hund abgehauen ist und sie ihn suchen waren. Danach bin ich ins Bett gegangen. Bis zur Schule waren es noch lange sechs Tage und ich dachte, man kann die Zeit ja nutzen, um sich besser kennenzulernen. Haben wir aber nicht. Die gesamten sechs Tage haben wir Fernsehen geschaut. Würde ich jetzt ein ganzes Jahr verpassen, nur um Fernsehen zu schauen? Ein einziges Mal waren wir draußen im Park, aber auch nur, weil meine Hostmum eine Verabredung hatte. Als dann endlich die Schule losging, sind wir erstmal eine Stunde zu spät angekommen, weil sie wichtige Dokumente erst zehn Minuten vor Abfahrt kopiert hatte. Wie auch immer, der Drucker ging nicht, wir mussten noch andere Gastschüler abholen und am Ende waren wir zu spät.
Bei der Anmeldung musste ich enteweder Mathe oder Chemie nehmen, und sie sagte, dass sie Mathe kann und mir immer helfen wird, wenn ich etwas nicht verstehe. Also habe ich Mathe gewählt. Im Endeffekt murrt sie immer, wenn ich sie mal frage, ob sie meine Hausaufgaben kontrollieren oder mir die eine Aufgabe erklären kann.
Ich laufe seit Schulbeginn zu dem Busstop und muss durch eine Art Feld, wo Kojoten sind. Seit einem Monat sagt meine Gastmum, dass sie das nicht will und sich darum kümmern wird. (Hat sie bis jetzt noch nicht gemacht.)
In der Schule war erstmal alles neu und ich wurde abgelenkt von dem ewigen Fernsehgesuchte. Doch nach und nach wurde alles gewohnt und jetzt ist es so, dass mir auffällt, dass wir einfach nichts miteinander machen. Nur wenn meine Gastbrüder Fußballtraining haben, gehen wir raus. Die Hunde erledigen ihr Geschäft im Garten, meine Hostmum ist die ganze Zeit mit ihrem Baby in ihrem Zimmer, mein Hostdad muss arbeiten und die kleinen Brüder können nicht viel mit mir anfangen, weil sie den ganzen Tag zocken. Meine Gastmutter und ich haben in dem einen Monat eine einzige Stunde mal richtig geredet, und das, weil die anderen Fußball spielten. Zu meinen Hausarbeiten: Ich muss Geschirr abwaschen und einmal in der Woche das Bad putzen. Nun, man hat mir das gesagt, aber nichts erklärt. Und dann rumgeheult, weil ich es nicht richtig mache.

Gerade bin ich krank. Als ich das gesagt habe, hat mich meine Hostmum gefragt, ob ich Medizin brauche, danach wurde ich in mein Zimmer verbannt und immer, wenn ich rausgekommen bin, wurde ich wieder hineingeschickt. Dabei habe ich nur Schnupfen. Sie will nicht, dass das Baby krank wird, was ich auch vollkommen verstehe, aber muss man dann Baby's Socken und Spucktuch auf meinen Platz auf dem Tisch legen? Ich denke nicht. Auch fühle ich mich hier total unwohl, weil halt keiner mit mir so richtig redet, ich traue mich nicht wie zu Hause etwas zu essen, oder einfach mal Musik in meinem Zimmer anzumachen, weil dieses Haus hellhörig ist. Wenn ich von der Schule komme, fragt mich meine Hostmum zwar, wie es war, aber ich denke nicht, dass es sie wirklich interessiert.

Auch ist es so, dass hier keiner hinter sich aufräumt. Das Bad ist ekelerregend, Spuren im Klo werden einfach dagelassen, mein kleiner Gastbruder hat regelmäßig Nasenbluten und lässt das Blut auf dem Waschbecken, bis ich es dann wegmache, weil es ziemlich ekelhaft ist.

Vielleicht hatte ich zu viele Erwartungen. Sie schrieben, dass sie viel rausgehen, Sport machen, sich gesund ernähren, und tierfreundlich sind.
Doch sie gehen mit den fünf Hunden nicht raus, sitzen nur vorm Fernseher und es gibt kein Obst oder Gemüse.

Wenn ich meine Freunde hier besuche und deren Gastfamilien sehe, frag ich mich immer, warum ich diese hier abbekommen habe. Es gibt zwar wenige gute Momente, wie dieser, als meine Hostmum mit mir redete, aber andere sagen zu ihren ATS: Wenn du traurig bist, wir geben dir eine Umarmung. Ich dagegen habe zweimal vor meiner Hostmum geweint und sie hat nichts gemacht, mich ignoriert.
Dabei hatten sie schon acht ATS, und diese waren eigentlich glücklich, da sie regelmäßig telefonieren. Ist es, weil sie ein Baby haben? Aber dann würde ich keinen ATS aufnehmen, wenn ich weiß, dass das Baby wichtiger als ein ATS ist?

Ich weiß nicht weiter, soll ich das alles ausstehen, oder nicht?
Es hat verdammt viel gekostet, um dieses Jahr zu haben und ich fühle mich nicht glücklich... was ich eigentlich sein wollte.

Ich hoffe, ihr versteht meine Situation und ich bin für jede Antwort dankbar.

Grüße, Lucy

Auf diesen Beitrag gibt es eine Antwort:

Hey Lucy :)

Hey du ! :)
Ich bin eine ehemalige Austauschschülerin und war 2016/17 ebenfalls in den USA. Ich hatte einige Probleme dort(mit der Orga und der Gastfamilie), aber mit deiner Thematik kenne ich mich auch etwas aus. Meine beiden Gastfamilien haben den ganzen Tag ferngesehen und so gut wie nie etwas unternommen. Bei dir kommt natürlich noch das Baby hinzu.

Was ich an deiner Stelle machen würde, ist erstmal mit deiner Gastfamilie darüber zu reden. Dabei solltest du natürlich darauf achten, es nicht nach einem direkten Vorwurf klingen zu lassen. Du könntest z.B sagen, dass du gerne etwas mehr unternehmen möchtest, da du (z.B) wenn du so viel Zeit hast immer ein wenig Heimweh bekommst und somit etwas Abwechslung suchst.

Dann würde ich versuchen erstmal nach Ideen von ihrer Seite zu fragen, also was DU persönlich machen könntest (bei mir gabs z.B eine Schwimmhalle in der Nähe, in die ich dann 2mal die Woche gegangen bin.) Nach dem Vorschlag von deren Seite könntest du ja auch etwas vorschlagen, z.B gemeinsam in die Stadt zu fahren oder eine Radtour zu machen.
Wenn sich nichts ändert, sprich deinen Betreuer vor Ort an.
Ich wünsche dir viel Glück und freue mich über Updates! :)

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