vom 19.11.2021 14:41

DFSR - Familienanschluss ist Glückssache - Super Geschäftsmodell

Hallo, als Elternteil eines 17-jährigen Sohnes muss ich mal ein paar Erfahrungswerte zu DFSR loswerden bzw. ein Resümee ziehen. Das Resultat fällt klar aus: „Traue keiner Hochglanzbroschüre, die Du nicht selbst erstellt hast“ oder „Lese das Kleingedruckte und gehe vom Minimum aus“.

Mein Sohn plante für 10 Monate nach Spanien zu gehen und kam nach 4 Wochen zurück. Das Zusammenspiel mit seinen zwei Gastfamilien passte nicht. In der ersten Familie durfte er werktags keine außerhäuslichen Aktivitäten durchführen, nur Sport und Musik. Schwierig für jemanden, der kein Vereinsmensch ist und keine Affinität für Instrumente hat. D.h. es war ihn zudem untersagt jemanden zu empfangen, um z.B. gemeinsam Hausaufgaben zu machen. Für uns grenzte das an einen gut verpackten „Freiheitsentzug“ und am Sinn eines Austausches (wörtlich gesehen) vorbei. Der Anspruch der Gastmutter war zudem, dass ihre Gastschüler in der Schule 1er-Kandidaten sind, abgesehen von ihrem aufgeprägten Putz- und Kontrollwahn. Ein Wechsel der Gastfamilie war unausweichlich. Mein Sohn hatte dann mehr Freiheiten, aber die alleinstehende Gastmutter hatte mehr mit sich zu tun und beherbergte meinen Sohn nur aus finanziellen Gründen. So bekam er zwar (Tüten-)essen hingestellt und hatte sein eigenes Zimmer, eine Integration in die Familie war nicht vorgesehen (Familienbeschreibung DFSR sah anders aus!). Er musste beispielsweise das Wohnzimmer verlassen, wenn sie anwesend war bzw. auch im Krankheitsfall war es ihr nicht möglich mal zu Apotheke zu gehen. Kurz um, das Gefühl ein Störfaktor in der Familie zu sein und nur des Geldes wegen da sein zu dürfen, hat ihn zermürbt. Ergänzend machte die Gastmutter am ersten Tag bereits deutlich, dass sie meinen Sohn über Weihnachten gerne in Deutschland sehen würde. In diesen ganzen vier Wochen haben uns die Betreuerin von DFSR und der Betreuer vor Ort nicht wirklich geholfen.

Ja, es ist völlig naiv dem zu glauben, was einem von DFSR suggeriert wird bzw. darauf eine Erwartungshaltung aufzubauen. Sie müssen laut den Verträgen zum Abreisetermin eine Gastfamilie finden, damit sie nicht den ganzen Reisepreis zurückzahlen müssen. Das klappte auch, nur bei „Anfangsschwierigkeiten“ heißt es dann, der Gastschüler habe die Regeln zu akzeptieren, sich anzupassen, usw. Die Organisation vor Ort – bei uns Getready- hat ein großes Interesse ihre Gastfamilien zu halten und bezieht eher Position für diese. Unser Sohn stand deswegen auf verlassenem Posten, musste sich in Englisch und Spanisch durchkämpfen, entwickelte depressive Züge und wurde krank. Ein muttersprachlicher Austausch mit DFSR war erst nach drei Wochen möglich, als wir Eltern expliziert darauf bestanden. Da war das „Kind aber schon in den Brunnen gefallen.“ Der Kontakt zur Betreuungsperson vor Ort war uns untersagt.

Eine tolle Erfahrung dann im Austausch mit DFSR zu hören, dass ein Familienanschluss mit Wertschätzung und gemeinsamen Unternehmungen eine göttliche Fügung sei, die es geben kann, aber vertraglich nicht vorgesehen bzw. im Auswahlverfahren der Familien keine Bedingung oder Kriterium ist. Zudem verlässt DSFR sich auf die Kompetenz der Partnerorganisation vor Ort. Klasse Rückmeldung und die Realität auf dem Rücken meines Kindes ausgetragen.

Mein Rat/mein Resümee:
Schaut Euch genau an, was in diesen Verträgen steckt, macht Euch bewusst, dass Menschen für Geld (DFSR, Partnerorganisation und auch die Gastfamilien) nicht nach euren Werten und Vorstellungen agieren müssen/wollen/dürfen und ein Anwalt bei Abbruch wenig Chancen sieht, diesem Geschäftsmodell Einhalt zu gebieten. Ihr gebt euer Kind in die Hände einer Partner-Organisation vor Ort, mit der Ihr KEINEN Vertrag habt und damit keinerlei direkten Handlungsspielraum oder Einflussmöglichkeiten. Uns Eltern hat dieser Umstand zuhause zermürbt und auch Appelle an DFSR bei minderjährigen Schutzbedürftigen eine Fürsorgepflicht wahrzunehmen, stießen auf Unverständnis bzw. scheiterten an der Empathie der Betreuungsperson vor Ort. So schnell werden Träume zum Alptraum! Für die, die keine Rechtsschutzversicherung haben, sollten überlegen mit dem Abschluss eines Auslandsjahres eine abzuschließen (fällt bei der Gesamtsumme kaum ins Gewicht) und unbedingt bei der ersten Unwegsamkeit Rechtsbeistand einholen. Wir haben die Beratung erst mit der Entscheidung des Abbruches eingefordert und unser Handeln zu diesem späten Zeitpunkt nahm uns leider weitere rechtliche Möglichkeiten Regressforderungen durchzusetzen.

Zum Schluss noch ein Dankeschön an die Verantwortlichen bei DFSR, dass ihr es mit eurem Marketing schafft Bilder zu erzeugen, was andere dazu verleitet viel Geld für Träume auszugeben. Doch wenn es erst wird, wird einem schnell klar, dass das Geschäftsmodell/die Traumwerkstatt mit dem Kleingedruckten anders aussieht und deutlich zum Vorteil von DFSR ausfällt. Man kann erahnen, dass es der Branche schlecht geht und das Geldverdienen für gutgläubige Kunden einen hohen Preis haben kann.

Auf diesen Beitrag gibt es eine Antwort:
vom 26.11.2021 02:15

das Thema ist vermutlich für die Eltern interessant(er)

und leider wohl relativ unabhängig von Organisation und Zielland.

Wir mussten auch ähnlich schlechte Erfahrungen sammeln mit anderen Anbieter und Partnerorganisation. Unser Fall liegt mittlerweile mit unzähligen Seiten (bereits zusammengefasst) Mängelbericht. Die Organisation weigert sich natürlich selbst eigentlich unstrittige Posten nicht erbrachter Leistung zu erstatten.

Traurig aber wahr, man sollte unbedingt beim ersten Gedanken an einen Austausch eine Rechtsschutzversicherung abschließen (auch hier unbedingt auf Fristen achten häufig muss man eine bestimmte Zeit versichert sein vor eintreten des Falls) - sofern man noch keine hat.
Selbst mit Versicherung heißt es allerdings auch nicht, dass man "Recht" bekommt. Von den unumkehrlichen schlechten Erfahrungen ganz abgesehen. Dem kann man einzig das positive abgewinnen, dass die Kinder auch daraus lernen.

Zugegebenermaßen, bei all der Lebenserfahrung die man eigentlich den Kindern voraus hat, haben auch wir nicht damit gerechnet, dass vorgeblich "geminnütze Organisationen" so abgebrüht und dreist sind.

Es gibt unzählige Kindern bei denen der Austausch reibungslos und glücklich verläuft. Diese "verirren" sich allerdings auch seltener in Foren wie dieses und ist meist Verdienst der Gastfamilien, nicht der Organisationen, denn diese platzieren die Kinder zur Not einfach irgendwo unabhängig der Auswahlkriterien die das stundenlange Bewerbungsgespräch und Schülerprofil ergeben haben.

Wenn ihr eine Versicherung habt, würde ich in jedem Fall nochmals klären ob nicht trotzdem Mängel geltend gemacht werden können (inklusive nicht genutzter/erbrachter Reisezeit und ggf. Schadensersatz). Im Internet findet ihr zwei Kanzleien die bereits Erfahrung im speziellen mit Schüleraustausch haben. Ein "normaler" Reiserechtsjurist dürfte mit solch komplexen Fällen überfordert sein.

Allen Kindern die einen Austausch planen, sei gesagt,

lasst euch nicht abschrecken von unseren negativen Erfahrungen, geht vielleicht nur nicht zu überschwinglich an die Sache, bereitet euch darauf vor wie ihr mit "schlechten Umständen" umgehen würdet (bitte nicht unbedingt auf örtliche Vertretungen der Organisationen verlassen, denn auch hier gibt es gute und schlechte) und lasst euch hoffentlich positiv überraschen.

Diskussionsübersicht
19.11.2021
Dirk S. Spanien DFSR 2021/22
DFSR - Familienanschluss ist Glückssache - Super Geschäftsmodell
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