vom 17.12.2006 20:47
M. H.

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hier eine mail, die ich meiner betreuerin geschrieben hab...

Hallo...
also ich muss sagen, dass es mir in den USA eigentlich schon gefaellt. Aber ich merke, dass es mir einfach schlecht geht. Ich will nach Hause, so sehr, dass es wahrscheinlich nicht mehr normal ist.
Also mein Problem:
Ich hab mich damals beim PPP beworben, weil alle meine Freundinnen sich gegen mich gerichtet haben und sehr schlimm ueber mich gelaestert haben (das ging so ca. 3 Monate). Das ist dann wieder besser geworden, und ich bin mit meinem Freund zusammen gekommen und alles war toll und dann hab ich die Zusage vom PPP erhalten und da ist meine Welt zusammen gebrochen. Ich hab an dem Tag, als ich davon erfahren habe, dass ich das PPP bekommen habe schon zwei Stunden geweint. Es ist dann immer schlimmer geworden, ich hab eigentlich jeden Abend geweint, weil ich nicht mehr weg wollte. Ich hab mich jede Nacht regelrecht in den Schlaf geheult, vor allem wenn mein Freund neben mir gelegen ist, hab ich nicht mehr aufhoeren koennen. So 2 oder 3 Wochen vor Abflug ist es richtig schlimm geworden und ich hatte sogar einen Nervenzusammenbruch, den mein Freund aber leider nicht richtig realisiert hat. Ich habe ihm die ganze Zeit gesagt, dass ich nicht mehr in die Staaten will, aber er konnte nicht mit mir darueber reden, weil er Angst hatte, dass ich nur wegen ihm nicht mehr gehen will, und er diese Verantwortung nicht auf sich nehmen wollte. Mit meiner Mama wollte ich irgendwie nicht darueber reden, weil ich sie nicht entaeuschen wollte. Als ich dann hierher gekommen bin war zuerst, also in Washington, noch alles in Ordnung und ich hatte viel Spass. Die ersten Tage in meiner Gastfamilie waren schrecklich, was aber normal ist, denke ich mal. Dann ist es, am Anfang des Schuljahres wieder bergauf gegangen, fuer drei oder vier Wochen, denk ich mal. Aber ab dann ist es ziemlich schlimm geworden. Es gibt seit 2 1/2 Monaten keinen Tag an dem ich nicht geweint hab, ich hatte mehrere Zusammenbrueche, von denen drei auch in der Schule waren. Ich denke jede Sekunde an meinen Freund, deswegen faellt es mir ziemlich schwer Anschluss zu finden. In der Schule sitz ich nur rum und starr durch die Gegend und muss mich eigentlich jede 10 Minuten zusammenreissen, dass mir nicht die Traenen ueber mein Gesicht laufen. Kurz um, es geht mir richtig schlecht. Es gab nicht einen Tag, an dem ich es nicht bereut hab, hierher zukommen und es wird jeden Tag schlimmer. Ich frag mich immer, warum ich nichts zu meiner Mama sagen konnte und warum ich hier bin, es artet sogar in letzter Zeit immer in regelrechten Selbsthass aus, weil ich nicht verstehe, warum ich zu niemanden was sagen konnte. Ich habe nach 4 Monaten noch immer keine Freunde gefunden, obwohl es an meiner Schule sehr viele, sehr nette Leute gibt. Aber leider bin ich wohl die absolut falsche Person fuer einen Austausch. Ich bin schuechtern, zurueckhalten und nicht sehr gespraechig. Sogar in Deutschland, wenn ich mit meinen Freunden zusammen bin, sitz ich oftmals in der Runde und sag nichts. Hier faellt mir das ganze noch schwieriger, obwohl mein English mittlerweile fast perfekt ist. Dazu kommt, dass ich eine wohl sehr traumatische Kindheit hatte und durch den ganzen Stress und so das alles in mir jetzt wieder hochkommt (als ich 4 Jahre alt war ist mein Papa nach Brasilien zum Arbeiten gegangen, zweimal fuer jeweils ein Halbes Jahr. Leider hat das die Beziehung von meinen Eltern nicht ausgehalten und sie haben sich kurz nach meinem 6. Geburtstag getrennt. Ich habe bei meiner Mama gelebt und hab meinen Vater sehr vermisst, da er nach Berlin gezogen ist und meine Mama mit mir und meiner Schwester in Bayern geblieben ist. Dazu muss man sagen, dass mein Vater die wichtigeste Person in meinem Leben war und mein absolut erster Ansprechpartner. Ich habe bis heute noch nicht das selbe Verhaeltnis zu meiner Mama aufgebaut, das ich zu meinem Vater hatte, obwohl ich mich sehr gut mit meiner Mama verstehe. Als ich 11 war ist mein Vater dann wieder zurueck in meine Heimatstadt gezogen und wir hatten sehr schnell wieder das Verhaeltnis von frueher, deswegen war auch bald klar, dass ich zu ihm ziehen wollte. Er hatte aber nicht genuegend Plazt, weshalb ich warten sollte, bis er eine neue Wohnung gefunden hatte. Kurz nachdem er diese gefunden hatte ist er an einem Herzinfarkt gestorben.)
Ich weiss nicht, ob es daher kommt, oder von irgendwas anderem, dass ich arge Trennungsaengste hab und immer fuer alles Verantwortlich sein will und jedem immer alles Recht machen will und keinen Entaeuschen will. Das mit dem Entaeuschen ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, warum ich nicht mit meiner Mama reden konnte, als ich noch zu Hause war. Kurz nachdem ich gegangen bin, hab ich versucht mit ihr darueber zu reden, aber sie hat mich nicht verstanden und hat immer nur gemeint, ich soll dem ganzen doch eine Chance geben und nicht gleich wieder aufgeben. Das hat mich zu jetzt gefuehrt. Und jetzt weiss ich einfach nicht mehr, was ich machen soll. Wenn ich heimgehen wuerde, haette ich gar nichts fuer den zumindest ein Semester langen Aufenthalt in den USA, mein Abizeugnis wuerde sich erheblich verschlechtern (ich brauche ein Stipendium um Studieren zu koennen) und ich glaube, dass ich mich teilweise aergern wuerde, weil ich es nicht geschafft habe. Aber wenn ich hier bleibe, muss ich sagen, dass ich es 10 Monate in den USA ausgehalten habe und es die schlimmste Zeit meines Lebens war, obwohl man meinen koennte, dass ich schon weit Schlimmeres durchgemacht habe. Nochdazu geht es sehr an meine Gesundheit, ich bin hier oft krank (Fieber, Erbrechen...), und habe am Anfang gewaltig zugenommen, esse jetzt aber kaum noch. Ich habe mindestens zwei mal woechentlich einen Nervenzusammenbruch, wo ich einfach nur noch am Boden oder in meinem Bett liege und weine und teilweise nicht einmal meine Muskeln richtig bewegen kann.
Ich weiss einfach nicht mehr was ich machen soll. Mein Freund und meine Mama, die einzigen Personen, die wissen, dass es mir so schlecht geht, sagen, dass es in meiner Hand liegt ob ich geh oder bleib, weil ich wohl am besten weiss, was fuer mich das Beste ist. Wobei meine Mama eher fuer heimgehen ist und mein Freund, der sehr auf das Abi und die Zukunft bedacht ist, meint dass ich bleiben soll. Und alle anderen, die keine Ahnung haben, meinen natuerlich, dass ich bleiben soll, weil so eine Chance bekommt man ja nur einmal im Leben und so, was natuerlich stimmt, aber auch nicht, da ich spaeter einmal im Ausland studieren will. Aber dann zusammen mit meinem Freund.
Das ich nichts gegen die schlechte Laune mach stimmt auch nicht, ich habe eine sehr liebe Freundin gefunden, die Austauschschuelerin aus Japan ist, das ist aber leider auch die einzige. Letztens war bei uns in der Schule auch so ein Persoenlichkeitsberater, der einem lernen soll optimistisch zu denken und zu handeln. Ich hatte nach seinem Vortrag ein persoenliches Gespraech mit ihm, und er hat gemeint, dass wenn es wirklich so viel mit Liebe zu tun hat und so stark aus dem Herzen kommt, dann kann man fast nichts dagegen machen, aber er kann mich leider nicht nach Hause schicken. Ich mache auch 3x die Woche Sport, was mich aber auch nicht recht viel aufbaut, da ich zuhause immer nur mit meinem Freund Sport gemacht hab. Ich bin dazu noch im Drama club, aber nur eine kleine Rolle, weswegen ich erst im 2. Semester Proben hab. Ich weiss nicht woher es kommt, aber ich bin die ganze Zeit nur traurig, weil ich es hier so hasse und zuhause so viele schoene Sachen waeren und ich soviel machen koennte. Und ich hasse mich selber einfach nur noch...

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mmhh

Was soll denn deine Betreuerin oder jemand von uns dazu sagen? Es liegt eigentlich wirklich allein bei dir ob du nun abbrichst oder nicht. Ich kann dir nur sagen: Ich an deiner Stelle würde nach hause gehen. Denn was du schreibst hört sich nach viel viel Leid an und ein ATJ soll einem Spaß machen. Sicher gewisse Probleme sind normal, aber bei dir finde ich es schon extrem (Zusammenbrüche etc.). Nicht das ein Abbruch die einfachste Lösung wäre... nein auch der ist in jedem Fall schwer. Aber ein Abbruch heißt ja bei dir, wenn ich das richtig erstanden habe, nicht das deine Chance für immer verloren ist. Versuch es doch einfach später zusammen mit deinem Freund (Studium) nochmal, wahrscheinlich wirst du dann jede Menge Spass haben, allerdings nur wenn du das alles auch wirklich tun wirst und nicht so wie jetzt, wo du dich beworben hast um Problemen aus dem Weg zu gehen, die sich später in Luft aufgelöst haben.
Das war jetzt alles ein bisschen wirr, aber vllt konnte ich dir helfen, falls du das überhaupt willst. Übrigens, wie man an meinem Profil sehen kann, ich gehe erst nächstes Jahr ins Ausland.
Ich wünsch dir auf jeden Fall alles gute und hoffe dass du die richtige entscheidng triffst. denk einfach nochmal in Ruhe über alles nach und hör dir an was deine betreuerin dazu sagtSmily

vom 17.12.2006 22:30

...

also was du da schreibst, hört sich sehr heftig an (vor allem die nervenzusammenbrüche, usw).

Erstmal vorweg, die Entscheidung kann dir niemand abnehmen, die musst du ganz alleine treffen. Überleg es dir gut und ich denke nach einer Zeit wirst du wissen mit welcher Entscheidung du auf lange sicht glücklicher wirst.

Klar, das PPP ist eine Riesenchance (hab mich ja selbst dafür dieses Jahr beworben *g*), aber ich bin mir nicht sicher ob es seinen Zweck erfüllt wenn du einfach nur am Boden bist, klar ist ein Austauschjahr nicht nur heiter Sonnenschein, aber immerhin geht das ja schon seit 4 Monaten so.

Wenn du wirklich das Gefühl hast, dass es nicht mehr geht, dann rede Klartext mit deiner Mutter und deiner Betreuerin, sag denen, dass du heim möchtest.

Des weiteren denke ich auch nicht, dass es sich bei dir um die ganz normalen Anfangsschwierigkeiten (Freunde finden, Heimweh etc.) handelt.




LG

Tanja

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