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F. S.

Brief an einen Ehrenamtlichen

Ein Brief, den Eltern einer Austauschschülerin an einen ehrenamtlichen Mitarbeiter der betreuuenden Austauschorganisation geschrieben haben. Die Familiennamen wurden durch uns geändert.

Lieber ...,

gern erinnern wir uns heute an die Zeit zwischen VBT und der nun folgenden NBT unserer Tochter Anja und an die Zusammenkünfte, die wir vor, während und nach der Zeit des USA Aufenthaltes von Anja hatten.

Sie lieber ... und das gesamte junge Team von YFU haben es ausgezeichnet verstanden, nicht nur Informationen zu übermitteln, sondern auch uns als Eltern viel Neues zu vermitteln, uns neue Sichten zu eröffnen und in vielerlei Beziehungen zum Nachdenken anzuregen. Also herzlichen Dank dafür.

Unsere Anja ist begeistert von dem Jahr in den Staaten. Ein winziger Wermutstropfen war dann nur die Zeit des gemeinsamen Urlaubs mit uns in Österreich nach ihrer Rückkehr. Nicht nur die Freunde aus den Staaten fehlten ihr sondern auch Ansprechpartner in ihrem bisherigen Freundeskreis in Deutschland.

ats_in_virginia.jpgAnja, in der Mitte, mit anderen Austauschschülern ihrer Region.


Der Empfang am 11.08.2000 in Leipzig war toll, ein Wiedersehen nach 11 Monaten Trennung. Was sollte man sagen, was gleich auch fragen? Dann zu Hause - vieles erzählen, erste Fotos und Erinnerungsstücke zeigen, wurden noch nicht ausgepackt. Diese Zeremonie dauerte etwa fünf Tage und noch heute, 8 Wochen später, entdecken wir immer wieder neue Dinge.

Wir wußten, daß Anja in Virginia, am Rande des Shenandoah Nationalpark, bei Familie Smith ein wunderbares zu Hause hatte und vor allem sie hatte viele Freunde im weitesten Sinne. Es waren nicht nur die Gasteltern Sharon und Peter sowie die Geschwister Christina (15) und Benjamin (11) , es war auch die Gemeinschaft in der kleinen Landschule mit einer Schülerzahl von 157 Schülern zu denen Anja einen guten Kontakt fand, es waren auch ihre Lehrer zu denen ein kameradschaftliches Verhältnis bestand und es waren andere junge Leute aus 13 Ländern mit denen sie z.B. zu einem Trip im weihnachtlich geschmückten New York weilte. Es war auch ihre Freundin Linda aus Dresden, die sie in Jacksonville in Florida besuchte und schließlich auch nette Zufallsbekanntschaften, wie Heidi aus Stuttgart (Jahrgang 39), die nach 35 Jahren USA nun doch wohl mehr Amerikanerin als Deutsche ist.

Der Anfang des Aufenthaltes unserer Anja in den Staaten war zunächst doch etwas sorgenvoll überschattet. Zunächst die Unruhe, wo sie denn nun überhaupt hinkommt. Erst elf Stunden vor dem Abflug erfuhren wir zu welcher Familie Anja kommt und das sollte auch nur eine Übergangsfamilie sein. Endlich, am 10.07.99, 17.00 Uhr wußten wir es. Es sei eine Familie indianischen Ursprungs wurde uns von Hamburg mitgeteilt. Später wußten wir, daß es Inder waren, zu denen Anja auch noch heute sehr guten Kontakt hat.

Anja mußte von Leipzig aus nach Atlanta fliegen, obwohl sie nun wußte, daß ihre Empfangsadresse vor den Toren von Washington liegt (Bowie , Ort zwischen Washington DC und Baltimore). Nach einer Nacht in einem Hotel in Atlanta, von wo aus uns Anja anrief ging dann der Flug nach DC weiter. Die indische Familie Chelsey empfing unsere Anja sehr herzlich. Schnell hat Anja zu der gleichaltrigen Tochter Shallini Kontakt gefunden. Aber leider war in Bowie kein Schulplatz für Anja. Sechs Tage später holte sie dann also Familie Smith in Bowie ab. Es gab Tränen der Trennung. Für Anja, die sehr empfindsam ist, war es ein Schock aber nur für kurze Zeit, denn der Kontakt zu Chelseys blieb und Familie Smith war, wie es sich herausstellte, ein Volltreffer. Die Integration in die Smith - family war bald perfekt. Auch die in unmittelbarer Nähe wohnenden beiden Großelternpaare hatten es Anja angetan.

Anja war mit gewissen Vorstellungen in die Staaten gereist. So glaubte sie in eine große Schule zu kommen, wie sie es aus Filmen, Erzählungen, u. a. m. kannte. Nun kam sie an eine kleine Privatschule auf dem Lande. Aber gerade diese Schule, die ,,Wakefield County Day School" erwies sich auch in diesem Fall als Volltreffer. Vieles war familiärer als in den großen Schulen und sicher war dadurch auch schneller Kontakt zu den amerikanischen Schülern geknüpft.

Nun aber nochmal zu uns als Eltern. Wie erging es uns als wir Anja verabschiedet hatten? Wir kauften sofort ein FAX-Gerät, um die Kommunikation schneller und direkter machen zu können. Wir zwei haben uns dann immer diebisch gefreut, wenn wir abends heimkamen und ein FAX hing am Gerät. Schön auch, wenn uns Anja's Gastmutti etwas schrieb, was sofort so gut es ging mit Wörterbuch übersetzt wurde. Mitunter versuchten wir uns in englisch. Solche Briefe hat dann Anja mit entsprechenden Korrekturen versehen und wir hatten viel Spaß dabei. Wir fühlten jedenfalls, daß Anja schnell die fremde Sprache beherrschte. In der Schule kam sie gut voran und bekam gute Noten. Noch heute spüren wir, wie gern sie englisch spricht. Das merken wir wenn sie am Telefon mit ihren Gasteltern oder anderen Freunden in den USA spricht.

Doch nochmal zurück zum Oktober 1999. Wie gesagt, wir warteten gespannt auf jede neue Information, jeden Brief, jedes FAX und jeden Anruf. Apropos Anruf- hier hat es sich als günstig erwiesen, immer zu gleichen Zeiten anzurufen. So wußte eben Anja genau, daß Sonntag gegen 10.00 Uhr von uns ein Anruf kam und wartete dann meist schon darauf. Zu Hause bei uns war es dann 16.00 Uhr und die ganze Familie saß dann meist am Kaffeetisch und Omi und Opa konnten so auch am Gespräch mit teilhaben. Vorbereitete Telefonate sind immer günstiger da man sich dann auf das Wesentliche konzentrieren kann und der Partner nicht in ungünstigen Situationen überrascht wird. Natürlich wollten wir auch gern wissen, wie Anja wohnt, von wem sie umgeben ist. Also warteten wir auf Fotos. Lange spannte sie uns damit auf die Folter bis dann endlich Mitte Oktober die ersten Fotos eintrafen. Natürlich war es mit dem Wegbringen der Filme nicht so einfach, wie bei uns in der Großstadt. Als Großstadtkind war die Abgeschiedenheit ihres neuen Daheim ein Novum, was Vor- und Nachteile hatte. Smiths Haus war mitten im Wald im Shenandoah Nationalpark. Trotzdem hatte Anja viele Kontakte, Freunde und Unterhaltung.

Noch einen anderen nicht unwesentlichen Aspekt hatte Anjas USA Reise für uns Eltern. Unsere schablonenhaften Vorstellungen von Amerika konnten wir gründlich korrigieren. Das fing schon damit an, daß wir uns Landkarten, Reiseliteratur und Videos über die für Anja vorgesehene Region der Ostküste besorgten und uns so erstmals intensiv mit der Geschichte, der Geographie, der Sprache und den Menschen dieses Landes befaßten. Die englische Sprache wurde auf einmal für uns wieder interessant und regte uns an, längst verschüttetes Wissen wieder aufzufrischen. Es hatte ja für uns nun einen praktischen Sinn bekommen.

Abschließend möchten wir noch sagen, daß wir jetzt nach 8 Wochen noch längst nicht alles an Fotos und Filmen gesehen haben. Vieles kommt erst langsam zu Tage und es wäre sicher falsch gewesen, wenn wir Anja nun in den ersten Tagen nach ihrer Rückkehr diesbezüglich bedrängt hätten.

Lieber ..., wenn Sie noch spezielle Fragen haben auch in Vorbereitung weitererZusammenkünfte mit Eltern deren Kinder künftig nach den USA reisen, wollen wir Ihnengern behilflich sein. Jedenfalls sind wir Ihnen für Ihr Engagement sehr dankbar und wünschenIhnen für Ihr Vorhaben im Internet viel Erfolg.

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