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Wenn die Zeit fliegt ...

Aline nimmt Abschied von ihrem Austauschjahr in Finnland und erinnert sich an die schönsten Momente.

Ich drehe mich noch einmal um und schaue auf mein Zuhause zurück. Zum allerletzten Mal. Ich glaube, so viele intensive Gefühle kann man in keiner anderen Situation empfinden. So viel war passiert in diesem einen letzten Jahr – und jetzt soll es vorbei sein?! Es ist nicht zu fassen, wie schnell die Zeit vergehen kann und wie jetzt auf der Autofahrt zum Flughafen die Erinnerungen an ein ganzes Jahr durch meinen Kopf rasen:

Moorfußball und Skifahren im Sommer

Wir waren aufgebrochen um Sport zu machen. Meine Mama, meine Schwester und ich. Wir wollten Inliner fahren. Die Sonne schien, es war schön warm draußen und ich freute mich auf den Nachmittag. Ich schnallte mir meine Skater unter die Füße und schielte zu meiner Schwester herüber: Sie hatte lange Bretter mit Rollen unter den Füßen und Skistöcke in der Hand! Ungelogen, wir trainierten Langlauf im Hochsommer – ohne Schnee und im T-Shirt! Ich musste so lachen, dass alle mitlachten.
Zwei Tage später spielten wir Moorfußball. Zu zehnt zogen wir uns die ältesten Klamotten an, die wir fanden, schnappten uns einen Ball und versuchten im tiefsten Matsch Fußball zu spielen. Das funktioniert natürlich überhaupt nicht und vor lauter Lachen und Anstrengung fällt man ständig hin und ist nach kürzester Zeit von oben bis unten voll Schlamm. Spätestens dann ist es höchste Zeit sich völlig fertig zum See zu schleppen und mit ganzer Montur ins Wasser zu plumpsen. Ich sage Euch – das ist tausendmal effektiver als jedes Fitness-Studio!

Es ist schön dazu zu gehören

Die Schule begann und ich merkte mehr und mehr: Ich gehöre dazu. Auch für mich begann der Alltag, ich musste morgens früh aufstehen, Klausuren schreiben, meine kleine Schwester in die Vorschule bringen, den Tisch fürs Abendbrot decken, mit meinem Bruder zum Fußballtraining radeln und die Sauna lieben. Jeden Samstag- und jeden Mittwochabend bin ich in den Keller gestiegen und habe neues Holz in den Saunaofen getan und Feuer gemacht.

Sommer, Herbst, Winter ...

Der Sommer neigte sich langsam dem Ende entgegen. Wir waren noch ein Wochenende in unserem Mökki – das hölzerne Sommerhaus, welches jeder Finne irgendwo im Nirgendwo im Wald an einem wunderschönen See besitzt.
Und dann kam schon der Herbst. Die Blätter wurden bunt. Das Trampolin im Garten wurde abgebaut und im Oktober gab es den ersten Schnee. Ich habe den dunklen und kalten finnischen Winter geliebt. Es war umso gemütlicher am Kamin zu sitzen und zu lesen, Karten zu spielen und sich nach grandiosen Schlitten- und Skitouren vollkommen durchgefroren in der Sauna wieder aufzuwärmen.
Beim Fußballtraining froren uns die Trinkflaschen zu und neben Handschuhen, Schal, Mütze und dicksten Winterjacken trugen wir unter den Shorts, Schienbeinschonern und Stutzen Strumpfhosen und Wollsocken. Bald wurden die Sportplätze mit Wasser geflutet, sodass wunderbare Eisbahnen zum Schlittschuhlaufen und Eishockeyspielen entstanden.

Die Zeit rast ...

Ab Silvester sprach ich nur noch Finnisch und fieberte mit meinen Freunden dem kommenden Frühling entgegen. Es war ein unglaubliches Gefühl, als es immer heller draußen wurde, die Sonne immer höher am Himmel stand und es Ende Mai die ersten Tulpen gab.
Auf einmal ging alles noch schneller als vorher. Es wurde warm und nachts kaum noch dunkel. Im Juni war dann Juhannuspäivä – Mittsommer. Ich habe Freunde in Lappland besucht, und nachts um halb drei stand noch die Sonne am Himmel. Ich liebte die Gutenachtküsschen meiner kleinen Schwestern, freute mich morgens auf den Haferbrei mit selbst gemachtem Apfelmus von meinem Papa, musste immer mitlachen, wenn meine Mama anfing zu lachen, freute mich über jedes Tor meiner Mannschaft und genoss das Zusammensein mit meinen Freunden.

Und jetzt sitze ich hier im Auto ...

Gestern gab es noch einmal mein Lieblingsessen. Pfeffersteak mit Kartoffeln und Soße. Meine Schwestern haben mir ein Fotoalbum gebastelt – mit all unseren Spitznamen, Fotos von ihren Teddybären, getrockneten Blättern aus dem Wald neben unserem Mökki, meinen Lieblingsrezepten, Fotos von unseren Geburtstagen … Plötzlich muss ich anfangen zu weinen und gleichzeitig lache ich: Bald habe ich meine deutschen Schwestern zurück.

Komisch, dass man die Zeit im Austauschjahr nicht festhalten kann – sie fliegt einfach davon! Ich bin sehr froh, dass mir meine tolle Austauschorganisation YFU dieses unvergessliche Jahr ermöglicht hat!

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