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C. K.

Ausgetauscht.de begleitet vier Stipendiaten in ihr Austauschjahr 2013/14

Mehr als 300 Stipendiaten des Parlamentarischen Patenschafts-Programms (PPP) sind im vergangenen Jahr für bis zu zehn Monate in die USA gegangen, um dort das amerikanische Leben in ihren Familien und an ihren Schulen kennen zu lernen. Ausgetauscht.de begleitet vier SchülerInnen in dieses Abenteuer.

Katerina, Sarah, Clara und Jonathan sind vor mehr als sechs Monaten für ein Jahr in die USA gegangen. Mit vielen Erwartungen im Gepäck sind sie in Texas, Montana, New York State und Kansas angekommen, jetzt möchte ausgetauscht.de wissen, wie es ihnen bisher ergangen ist. Soviel sei verraten: Alle vermissen deutsches Brot.


Clara fühlt sich in Wichita wohl
Clara fühlt sich in Wichita wohl
Clara, Wichita, Kansas: "Es kommt sowieso alles ganz anders"

Clara hat es nach Wichita verschlagen. Das ist die größte Stadt im Bundesstaat Kansas. Hier fühlt sie sich wohl, die Nachbarschaft ist hübsch und vieles ist sogar zu Fuß erreichbar, ein "super Mix zwischen Land und Stadt".




Sarah besuchte das Texas Renaissance Festival.
Sarah besuchte das Texas Renaissance Festival.


Sarah, Pearland, Texas: "Wo bitte ist das Sprudelwasser?"

Sarah lebt seit einem halben Jahr in der Stadt Pearland, der Golf von Mexico liegt nur 50 Kilometer entfernt davon. Hier besucht Sarah die Schule und genießt es, ihren Stundenplan selbst zusammenzustellen.





Jonathan mit seinem Trainer
Jonathan mit seinem Trainer


Jonathan, Rochester, New York: "Bewerben, bewerben, bewerben!"

Jonathan wohnt fast in New York. Fast. Erst komme New York City, erzählt er, „dann ganz lange nichts Richtung Norden“. Und dann kommt nahe am Ontariosee die Stadt Rochester mit circa 200.000 Einwohnern. Von der sind es wiederum nur anderthalb Stunden Autofahrt nach Kanada.






Katerina - 2. von rechts - mit Freundinnen in Boulder
Katerina - 2. von rechts - mit Freundinnen in Boulder

Katerina, Boulder, Montana: "Wandern, Fischen, Reiten, Joggen - perfekter Lifestyle"

Katerina hat es in einen kleinen Ort am Rande der Rocky Mountains verschlagen. In diesem „kleinen süßen Dorf“ mit etwas mehr als 1000 Bewohnern fühlt sie sich wohl, sie könne sich keinen besseren Ort für ihr Austauschjahr vorstellen.






Clara, Wichita, Kansas: "Es kommt sowieso alles ganz anders"
Clara fühlt sich in Wichita wohl
Clara fühlt sich in Wichita wohl


Manchmal hat die Schülerin das Gefühl schon eine Ewigkeit in den USA zu leben, im nächsten Moment fällt ihr ein: "Ich habe nur noch sieben Monate!" Dieses ständige Schwanken verwirre sie hin und wieder, erzählt sie. Im Alltag ist sie trotzdem angekommen.

Die Woche ist von der Schule bestimmt. Halb Sieben aufstehen, zur Schule, Schulstunden im 50-Minuten-Takt, unterbrochen von sieben Minuten Pause, in der Clara den Raum wechseln muss. Das ist gar nicht so einfach bei der Größe einer amerikanischen Schule: "Sieben Minuten klingt lang, sind aber bei der Schule auch nötig", erzählt sie. Am Anfang verlief sie sich noch regelmäßig, mittlerweile kennt sie das Schulgebäude.

Nach der Schule hat Clara im ersten Semester in der Tech-Crew mitgearbeitet. Dort kümmerte sie sich darum, dass für Musicals und Theaterstücke die Kostüme, das Set und andere organisatorische Aufgaben erledigt sind und der Ablauf reibungslos funktioniert. "Das macht Spaß und es ist toll zu sehen, was man geschafft hat, wenn das Stück dann aufgeführt wird", erzählt Clara. Dass Jugendliche in den USA sich viel mehr einem einzigen Hobby widmen, daran musste sie sich auch erst gewöhnen. Aus ihrem deutschen Alltag ist sie es gewohnt, jeden Tag etwas anderes zu erleben, "am Montag ist Tanzen, am Dienstag Chor", erinnert sie sich. Aber auch andere kulturelle Unterschiede sind ihr aufgefallen. So gehört es zur amerikanischen Höflichkeit sehr oft zu fragen, wie es seinen Mitmenschen geht. "How are you?", das hört man oft, "auch wenn es sie nicht interessiert", sagt Clara. Das findet sie aber nett, auch wenn die Kassierer, die sie fragen, wie es ihr gehe, sie nicht persönlich kennen würden. Für das umweltbewusste deutsche Gemüt ist es zunächst auch eine Überwindung, dass der Biomüll einfach in der Spüle weggespült und zerstückelt wird. "Außerdem haben sie drinnen meistens nur einen Mülleimer und dann wird entweder alles draußen wieder auseinandergenommen oder man hat einen Eimer für Recycling und der Rest ist alles-in-eins", erzählt Clara. Zur Weihnachtszeit vermisste Clara die Weihnachtsmärkte, auch auf das Sonntagsfrühstück mit der Familie und wieder im Chor zu singen, freut sie sich. Kulinarisch kann sie mittlerweile ganz gut auf Käse verzichten, sie vermisst Gericht mit "Nudeln und Kartoffeln, einfach so, ohne Käse", erklärt sie.

Eine amerikanische Tradition konnte Clara aber genießen: Halloween. Sie wohnt nämlich sehr nah an der Halloween Street, die den Mittelpunkt für alle Fans dieses Events bildet. Zu Halloween wird die reich geschmückte Straße abgesperrt, "damit die Kinder in Ruhe trick-or-treaten können", erzählt sie, "ich selbst habe mich dann auch verkleidet und bin mit ein paar Leuten herumgezogen und hab Süßigkeiten gesammelt". Bis zu 5000 Kinder zogen an diesem Abend durch die Halloween Street, deshalb hätte man teilweise sogar anstehen müssen, um Süßigkeiten zu bekommen. Bis vor die Haustür ihrer Gasteltern hätten wohl bis zu 500 Kinder gefunden. Nach diesem Highlight freut sich Clara nun auf die nächsten Monate in Wichita. Auf dem Plan stehen noch ein Trip nach New York und Chicago. Außerdem wolle sie noch mehr Leute kennenlernen und Zeit mit der Gastfamilie verbringen. Und, wie es nun in den USA zu leben? "Generell ist alles ziemlich anders, als ich es mir vorgestellt habe", resümiert Clara. Man mache sich vor her so viel Gedanken und dann kommt sowieso alles ganz anders.




Sarah, Pearland, Texas: "Wo bitte ist das Sprudelwasser?"
Sarah besuchte das Texas Renaissance Festival.
Sarah besuchte das Texas Renaissance Festival.


Die Schülerin mag "die Lockerheit der Amerikaner", erzählt sie, aber auch die "Free-Refills in Restaurants". Sie brauchte ein bisschen Zeit um sich einzugewöhnen - eine fremde Sprache, ein neues Umfeld. Sie wurde mit Situationen konfrontiert, mit denen sie nicht gerechnet habe, so Sarah. So hätte sie sich erst daran gewöhnen müssen, dass Amerikaner "sehr unzuverlässig sind", erklärt sie, "wenn du in Deutschland etwas sagst, dann meinst du es so. Wenn ein Amerikaner etwas sagt, ist es meistens nicht so gemeint." Was aber typisch amerikanisch ist und Spaß macht, sind Halloween und Thanksgiving. "An Halloween war fast jeder auf der Straße und alle haben Süßigkeiten gesammelt", erinnert sie sich, "Thanksgiving war reines Futtern". Was sie sehr vermisse sei Sprudelwasser, was in Texas schwer zu finden sei. Nicht nur zu Festtagen wie Thanksgiving geht es in der amerikanischen Küche ungesund daher. "Das deutsche Essen lernst du hier sehr zu schätzen, einfach weil es gesünder ist", erzählt Sarah. Zur Weihnachtszeit habe sie es auch vermisst "über den Weihnachtsmarkt zu laufen" und Schnee zu haben. Die nächsten Monate möchte die Schülerin die Zeit noch genießen und vor allem einen Hobby frönen: "Ganz viele Klamotten einkaufen, die sind hier nämlich super billig!"




Jonathan, Rochester, New York:" Bewerben, bewerben, bewerben!"
Jonathan mit seinem Trainer
Jonathan mit seinem Trainer


"Es ist absolut cool", antwortet Jonathan auf die Frage, wie es ihm in seiner neuen Heimat gefiele. "Die Stadt ist groß genug, um eine Stadt mit attraktiven Angeboten zu sein, aber immer noch lange nicht groß genug, um darin unterzugehen", erklärt er.

Mit seiner Gastfamilie hat der Schüler einen Volltreffer gelandet. "Unsere Interessen decken sich zu 100 Prozent, das schafft eine nette Chemie und man kann Barrieren ganz schnell überwinden." Praktisch war es für ihn auch, dass sein Gastbruder in seinem Alter ist und er so schnell einen Freundeskreis gefunden hat. Aber auch in der Schule und den vielen Kursen nach dem Unterricht fände man schnell den Kontakt, sagt er. Jonathan möchte bewusst das Leben eines amerikanischen Jugendlichen führen, deshalb widmet er sich auch seinen Hobbys zu 100 Prozent - was für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich ist. "In den USA macht man in der Regel eine Sache hundertprozentig", so Jonathan, "während ich in Deutschland zwei mal die Woche Sport, ein mal Musikschule und einen Tag frei hatte, läuft in den USA alles immer fünf Tage die Woche." Dabei bleibt dann wenig Zeit für andere Dinge. Es gebe Austauschschüler, die mehr erleben wollten und sich deshalb hin und wieder eine Auszeit von sportlichen Aktivitäten wie Basketball nehmen. "Für mich durchaus nachvollziehbar", sagt er, "nur wollte ich für mich lieber erleben, wie amerikanische Jugendliche leben - das heißt alles oder nichts".

In der Wintersaison hat Jonathan nach der Schule einen Schwimmkurs besucht. Mit einem Shuttlebus geht es nach dem Unterricht "direkt zur Schwimmhalle in einer anderen Schule, da wir keinen eigenen Pool haben", erzählt er. Nach dem Training wird entspannt. Von Ort zu Ort kommt man in und um Rochester nur mit Mitfahrgelegenheiten, der öffentliche Nahverkehr in den USA ist mit dem in Deutschland nicht vergleichbar. Zu seinem amerikanischen Leben gehört auch Halloween. In Rochester kamen die Schüler sogar mit Kostüm in die Schule - Jonathan selbstverständlich auch, er war Clark Kent (Superman). Thanksgiving sei hingegen wie "die ganze Adventszeit komprimiert auf einen Tag." Die ganze Familie komme zusammen um zu essen, spielen und zu quatschen. Sein Austauschjahr ist eine tolle Erfahrung, die Zeit in Amerika ist ein voller Erfolg für ihn und er rät jedem Schüler: "Bewerben, bewerben, bewerben!"




Katerina - 2. von rechts - mit Freundinnen in Boulder
Katerina - 2. von rechts - mit Freundinnen in Boulder
Katerina, Boulder, Montana: "Wandern, Fischen, Reiten, Joggen - perfekter Lifestyle"

"Die Landschaft ist einfach unbeschreiblich schön, ich kann mich da gar nicht dran gewöhnen", erzählt sie. Jeder Sonnenaufgang, jedes Wetter - ob Regen, Nebel oder Schnee - hätten etwas Faszinierendes an sich. Wandern, Jagen, Fischen, Reiten, Joggen, Quad oder Schneemobil fahren, das ist der Lifestyle, der Katerina gefällt. Neben der atemberaubenden Landschaft kann sich die Schülerin auch über neugeknüpfte Freundschaften freuen.

Ihre Gastfamilie besteht aus einem älteren Rentnerehepaar und einer Gastschwester, die eine slowakische Austauschschülerin ist. Mit ihr, einer amerikanischen Freundin, einer weiteren Austauschschülerin und deren Gastschwester verbringt Katerina ihre Freizeit, die in Boulder viel knapper bemessen ist als in Deutschland. Nach dem Unterricht besucht sie wie viele andere Schüler noch Projekte. In der Fall Season (Herbstsemester) spielte sie Cross Country (Mountainbike), sie gehört zu den Girlscouts (Pfadfindern) und besucht Projekte wie Model United Nations (Simulation über die Arbeit der Vereinten Nationen) und FCCLA (Family Community Carreer Leaders of America). In diesen Clubs hat Katerina auch Anschluss gefunden, ein Großteil der rund 200 Schüler ihrer Schule sei aber nicht unbedingt das, was man als "Open-minded" bezeichne, erklärt sie.

Dass Katerina in ihre Gastfamilie integriert ist, zeigt sich auch dadurch, dass sie jeden Freitag mit ihnen zum sogenannten "Friday Folders" geht, wo die wöchentlichen Kirchenblätter gefaltet werden. Am Samstag findet ein Gottesdienst statt, zu dem Katerina mit ihren Gasteltern Kaffee und Tee für die Besucher bereit hält. An Beschäftigung mangelt es der Schülerin also nicht. Was sie aber aus Deutschland vermisse sei das "deutsche Brot und gesundes Essen, denn ich habe hier schon 15 Kilogramm zugenommen", sagt sie. Die bevorstehende Spring Season will sie genießen. Tennis möchte sie dann spielen, ihr FCCLA-Projekt an dem sie gerade arbeitet vorstellen, ihren "Filmzusammenschnitt über das Austauschjahr veröffentlichen und einiges unternehmen", erzählt sie. Dazu gehöre ein Ausflug zum Yellowstone Nationalpark und ein Trip nach Hawaii.


Wenn ihr mehr über die Vier erfahren wollt, dann lest, wie sie sich auf den Austausch vorbereitet haben und wie sie ihre Rückkehr erlebten.


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