Barbara Engler

Barbara E.

Beratung ist alles: ABI e.V.

Seit mittlerweile 40 Jahren bietet der Verein A.B.I. e.V. Informationen und Hilfe rund um alle Bildungsfragen. Was in den 1960iger Jahren als Studenteninitiative begann, sollte sich zu einem recht einflussreichen "Lobbyisten" für den Verbraucher entwickeln.

Vormittags 10 Uhr, in den Räumen des Stuttgarter Vereins ABI e.V.

Nach einem netten Gespräch mit ihren Kollegen und mit einer Thermoskanne frischem Tee bewaffnet, beginnt Barbara Engler ihren Tag. Zuerst werden die neusten Maileingänge gecheckt. Dann um 11 Uhr klingelt meist schon das Telefon. Denn Barbara Engler ist die Expertin in Sachen Sprachreisen und Austauschjahr.

Seit 30 Jahren arbeitet die gelernte Industriekauffrau beim Verein Aktion Bildungsinformation e.V. - kurz ABI genannt. Dieser ist in Deutschland zurzeit die einzige unabhängige Institution, die sich im Interesse des Verbrauchers kritisch mit dem Thema Bildung und im Speziellen auch mit dem Schüleraustausch auseinandersetzt. Zudem ist der Verein befugt, gerichtlich gegen unlautere Methoden der Anbieter vorzugehen. Dreimal konnte ABI vorm Bundesgerichtshof erfolgreich klagen und damit Rechtsgeschichte schreiben.


Studenteninitiative brachte den Verein ins Rollen

Begonnen hat alles Anfang der 1960iger, als in Baden-Württemberg Studenten auf ein Problem innerhalb des Fernunterrichts aufmerksam wurden. Damals gingen z.B. ehemalige Staubsaugervertreter von Tür zu Tür und verkauften den Menschen überteuerte Verträge für den Fernunterricht. Um über diese unlauteren Praktiken aufzuklären, starteten die Studenten verschiedene politische Aktionen. Am Ende erreichten sie damit auch die Verabschiedung eines Gesetzes, das bis heute alle wesentlichen Fragen zum Fernunterricht rechtlich regelt. Die Rede ist vom so genannten Fernunterrichtsgesetz.

Dieser Erfolg schwingt auch heute noch in der Arbeit der Mitglieder und Vereinsangestellten mit. "Als Studenten waren wir beseelt, den Menschen zu helfen", schwärmt der Geschäftsführer Werner Kinzinger von den alten Zeiten und man merkt ihm das Leuchten in den Augen sogar durch den Telefonhörer an. Vor allem die Unabhängigkeit ist dem Verein wichtig und zudem in der Satzung festgehalten. Neben Zuschüsse vom Land und Spenden finanziert sich ABI hauptsächlich über Einnahmen durch Eigenleistungen und den Verkauf der Broschüren. Diese kompromisslose Unabhängigkeit macht den Verein tatsächlich zum starken Lobbyisten der Verbraucher.


Wie gestaltet sich die Beratung bei ABI?

"Ich erhalte ungefähr 10 neue Anfragen am Tag und genauso viele neue Beschwerden im Monat. 'Neu' deswegen, weil die Verbraucher häufig mehrmals anrufen, sich Rat einholen, insbesondere, wenn es sich um Beschwerden handelt", erzählt uns Barbara Engler.

Jährlich treffen beim Verein manchmal bis zu 20.000 Anfragen ein und um allen gerecht zu werden, existiert ein Filter nach Schlagworten. Zum Beispiel: Das Austauschjahr. Interessierte erwerben zunächst eine Broschüre, die alle wichtigen Probleme und Antworten zu diesem Thema erörtert. So bietet beispielsweise der Ratgeber Schüleraustausch Weltweit (www.abi-ev.de/broschueren) auf Seite 32 eine nützliche Checkliste zur Selbstkontrolle. Fragen wie: Bin ich bereit, eine Familie mit niedrigerem Lebensstandard, anderer Hautfarbe und anderer Religion zu akzeptieren? können Austauschinteressierten eine erste Orientierungshilfe geben. Wer die hier gestellten Fragen mit JA beantwortet, bringt bereits alle Grundvoraussetzungen für ein Austauschjahr mit. Dazu Werner Kinzinger: "Diese Broschüre muss erst einmal gelesen werden und wenn danach noch Fragen offen bleiben oder sich ganz individuelle Probleme ergeben sollten, kann man sich bei uns telefonisch und vor Ort beraten lassen."

Die Beratung bei ABI betrifft natürlich auch Rechtsfragen und hier ist der Verein Spezialist. So kann man unter anderem Verträge vor der Unterzeichnung überprüfen lassen. Barbara Engler hat dazu noch einen besonderen Tipp: "Nicht den Hochglanzversprechungen vertrauen, sondern kritisch Anbieter und Angebote,
die Geschäftsbedingungen und auch die eigenen schulischen und persönlichen Voraussetzungen prüfen. So haben viele Veranstalter eine Klausel im Vertrag, wonach sie aus Gründen, die in der Person des Schülers liegen, vor Reisebeginn den Vertrag stornieren können. Zurück bleiben total frustrierte Jugendliche und oft wird ein erheblicher Teil des eingezahlten Geldes einbehalten. Daher sich informieren, nachfragen und nicht 'blauäugig' buchen. Wenn der Veranstalter das meiste Geld weit im voraus verlangt, sollte man skeptisch sein."


Strenge Kriterien und Marktanalyse

Seit der Gründung hat die ABI den Bildungsmarkt fest im Blick. Dazu gehören unter anderem eine kontinuierliche Beobachtung des Marktes, die Teilnahme an Messen und Fachtagungen oder Umfragen bei Anbietern und Verbrauchern. Grundsätzlich sieht der Verein sich als eine Art Kontrollmechanismus und Vermittler - im Notfall auch als Kläger im Interesse des Verbrauchers.
"Wir haben konkrete Kriterien aufgestellt, nach der wir auch die Arbeit der Anbieter analysieren", betont Barbara Engler und weiter: "In erster Linie bewerten wir die Geschäftsbedingungen, aber auch danach, welche Leistungen im Preis enthalten sind, mit welcher Partnerorganisation zusammengearbeitet wird und wichtig, wie die Organisationen mit Beschwerden umgehen. Helfen sie oder wiegeln nur ab."

Dem Verein geht es jedoch nicht, andere an den Pranger zu stellen. "Bei uns werden nur positiv bewertete Anbieter gelistet. Zurzeit sind das etwa 35 deutsche Austauschorganisationen von ungefähr 50", fügt Werner Kinzinger hinzu. Tatsächlich hätten sich die Organisationen über die Jahre sichtlich verbessert. Dies sei auch ein Verdienst von ABI. Dennoch gibt es immer wieder Probleme und der Verein mischt sich ein. Werner Kinzinger: "Über einen Punkt sind wir momentan sehr besorgt, denn viele Anbieter behalten sich vor, den Vertrag zu kündigen, wenn sie keine Gastfamilie für den Austauschschüler finden. Dies geschieht manchmal kurz vor Abfahrt. Natürlich wird es für die Organisationen immer schwieriger, die Jugendlichen zu platzieren, besonders in den USA. Aber dieser Umstand sollte sich nicht zum Nachteil des Verbrauchers auswirken, der ja bereits alles für den Aufenthalt vorbereitet hat. Hier sehen wir großen Klärungsbedarf, auch rechtlich."


Kompetent und immer aktuell

Für alle die ein Austauschjahr planen, vorbereiten oder gerade erleben. Der Verein ABI ist für all jene die ideale Adresse, die immer aktuell und kompetent zum Thema Austauschjahr informiert sein wollen. Daher lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf die Seite Aktuelles in jedem Fall – ein Anruf sowieso. Denn als Autorin der Ratgeber "Schuljahres-Aufenthalte in den USA" (www.abi-ev.de/broschueren) oder "Schüleraustausch Weltweit" weiß Barbara Engler, worauf es ankommt, aber auch wo ihre Grenzen sind: "Wir haben wenig Einfluss auf die Arbeit der Partnerorganisationen vor Ort. Die lassen sich ungern in ihre Arbeit reinreden. Da können wir hin und wieder die Vermittlerrolle übernehmen, wenn es vor Ort Probleme mit den Gasteltern oder der Partnerorganisation gibt. Allerdings nur, wenn der Verbraucher das ausdrücklich wünscht", erklärt sie und schon klingelt das Telefon. Sie lächelt, trinkt einen Schluck von ihrem Tee und hebt ab.


"Schon toll, was aus so einer Studenteninitiative so entstehen kann." (Werner Kinzinger, Geschäftsführer des ABI e.V.)


Fakten zum Verein

  • Gründung 1966 aus einer Studenteninitiative heraus.
  • Eine auf den Bildungsmarkt hin spezialisierte Verbraucherschutzorganisation und Auskunftsstelle mit Sitz in Stuttgart.
  • Zurzeit bilden 26 natürlichen Personen und 3 Verbände den Verein.
  • A.B.I. e.V. ist legitimiert zu klagen: Bisher rund 1.300 Unterlassungsverfahren im Bereich Sprachreisen/Schüleraustausch, davon konnten rund 75% außergerichtlich geklärt werden.
  • Satzung schreibt unabhängige Arbeit vor.
  • Schwerpunkte: Marktanalyse, Beratung, Verbraucherschutz und öffentliche Aufklärung in Sachen Bildungsmarkt.
  • Kontakt: www.abi.ev.de


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